Stand: 05.12.2017 06:45 Uhr

Transgender-Frau darf nicht in Damenschießgruppe

Seit 27 Jahren verheiratet, nun als Frau und Frau: Gunda (links) und Maria Hartmann.

Aufregung um den Schützenverein St. Hubertus in der kleinen Gemeinde Walchum (Landkreis Emsland): Nach einer Geschlechtsangleichung ist aus Hans-Gerd Hartmann Gunda Hartmann geworden. Die Transgender-Frau möchte nun in der Damenriege des Schützenvereins mitschießen. Doch sie darf nicht. Das hat die Frauenabteilung des Vereins mehrheitlich abgelehnt. Hartmann, die nur die Untergruppe des Vereins wechseln will, findet das "demütigend."

Als Hans-Gerd noch Schützenkönig

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Noch als Hans-Gerd (rechts) ist Gunda Hartmann 1988 Schützenkönig geworden. Ehefrau Maria war an seiner Seite.

Dabei ist Hartmann keine Unbekannte in dem Verein. Als sie noch Hans-Gerd hieß, war sie 1988 Schützenkönig in Walchum. Für den Verein hat sie bei Umzügen die Fahne getragen. Doch in der Damenriege ist kein Platz für Gunda. Dass dieser Name mittlerweile in ihrem Personalausweis steht, dass dort auch das Geschlecht in "weiblich" geändert wurde, hilft ihr nicht. Mit der Entscheidung der Damenriege könne sie nicht leben, sagt sie. "Mein Wunsch ist, dass ich reinkomme und mitmachen darf. Das ist Dorfleben und gehört dazu." Vor der Absage nahm sie sechs Wochen zur Probe an Sitzungen teil, bevor über die Aufnahme abgestimmt wurde. Dann folgte die Ablehnung. Das Votum gegen Hartmann sei demokratisch gefallen und richte sich nicht gegen sie als Person, so Vorsitzende Monika Speller. Gleichwohl ist Gunda Hartmann die erste Person, die von der Damenabteilung abgelehnt wurde.

"Weg finden, mit dem alle zufrieden sind"

Walchums Bürgermeister Alois Milsch (CDU) will sich zwar aus den Vereinsangelegenheiten raushalten, mahnt aber zu Geduld. Die Geschlechtsumwandlung sei "zumindest in der Gemeinde Walchum Neuland. Vielleicht findet man einen Weg, mit dem nachher alle zufrieden sind." In anderen Vereinen ist Hartmann nicht auf die Probleme wie im Schützenverein gestoßen. Sie ist weiter in den Vorständen vom Heimatverein und vom Oldtimer Club aktiv.

Hartmann ist weiter Bauhofleiterin

Auch im Beruf ist das Leben als Transgender-Frau offenbar kein Problem. Den Posten als Bauhofsleiterin von Walchum habe sie behalten, sagt Bürgermeister Milsch. Er und die Mitarbeiter hätten damit kein Problem. Auch privat läuft es gut. Maria Hartmann freut sich nach 27 Ehejahren über den veränderten Menschen an ihrer Seite. "Unsere Ehe ist wesentlich entspannter. Die Liebe war immer da - aber jetzt ist es einfach nur schön."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 05.12.2017 | 17:00 Uhr

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