Stand: 13.05.2020 07:28 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Land geht gegen Öffnung von Fitnessstudio vor

Ein Mann trainiert in einem Fitnessstudio auf einem Crosstrainer. © picture alliance / dpa Themendienst Foto: Klaus-Dietmar Gabbert
In Niedersachsen hat ein Fitnessstudio wieder geöffnet. Das Land will den entsprechenden Gerichtsbeschluss jedoch anfechten. (Themenbild)

Das Land Niedersachsen will ein Urteil des Verwaltungsgerichts Osnabrück zugunsten eines Fitnessstudios anfechten. Das hat das Sozialministerium angekündigt. Die Richter hatten die entsprechende Corona-Auflage für ungültig erklärt und dem Studio in Bad Iburg (Landkreis Osnabrück) erlaubt, wieder zu öffnen. Das Corona-Infektionsrisiko sei beim Sport in geschlossenen Räumen besonders hoch, sagte die stellvertretende Leiterin des niedersächsischen Krisenstabs, Claudia Schröder, im Interview bei NDR 1 Niedersachsen. Zudem sollten einheitliche Regeln für alle Fitnessstudios gelten. Das Land hoffe daher, dass das Einzelurteil in zweiter Instanz zurückgenommen wird.

Gericht gibt Eilantrag statt

Das Bad Iburger Fitnessstudio hatte am Dienstag nach der Entscheidung des Gerichts wieder aufgemacht. Es ist bislang das einzige in Niedersachsen, denn wegen der Coronavirus-Pandemie mussten die Studios den Betrieb einstellen. Der Betreiber hatte Ende April einen Eilantrag gestellt, am Montag entschied das Gericht, dass das Studio vorläufig wieder öffnen darf. Voraussetzung sei die "Einhaltung des dortigen strengen Hygiene-, Abstands- und Höchstbelegungskonzeptes".

Gericht: Wenn Friseur, dann auch Fitnessstudio

Es gebe keinen sachlichen Grund, warum Friseur- und Gaststättenbesuche wieder erlaubt sind, der Besuch eines Fitnessstudios aber nicht, so das Gericht. "Die Kammer vermochte auch kein spezifisches erhöhtes Infektionsrisiko durch den Betrieb von Fitnessstudios mit einem derartigen Hygienekonzept zu erkennen", hieß es - zumal der Betrieb im Nachbarland Nordrhein-Westfalen grundsätzlich erlaubt sei. Die Chefin des Osnabrücker Corona-Krisenstabs, Katharina Pötter, bewertet das anders: Von Menschen, die Sport treiben, gehe ein ganz anderes Infektionsrisiko aus als von Personen, die ruhig beim Friseur sitzen und sich weitestgehend mit einer Maske schützen können.

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Land: Besonders viel Abstand bei Sport

Laut Pötter stellt sich auch die Frage, wie notwendig ein Besuch im Fitness-Studio ist. Es sei aber richtig, die Corona-Vorschriften immer wieder zu durchdenken und zu überprüfen. Das Land Niedersachsen müsse sich nun positionieren und entscheiden, ob die Regeln für alle Fitnessstudios angepasst werden. Vertreter des Landes hatten zuletzt mehrfach die Sonderrolle von Sport betont. Dabei werde heftiger geatmet. So gilt beim Sport auch ein Mindestabstand von zwei anstelle der sonst üblichen 1,5 Meter.

Betreiber vermittelt anderen Studios seinen Anwalt

Der Betreiber des Studios in Bad Iburg, Tim Maller, zeigte sich derweil erfreut. Viele Kurse seien für diese Woche bereits ausgebucht. Wer kommen wolle, müsse sich jetzt vorab anmelden. Mehreren anderen Fitnessstudios hat Maller außerdem mit seinem Hygienekonzept ausgeholfen - oder ihnen seinen Anwalt vermittelt. "Der Kollege ist ein Vorreiter", sagte Birgit Schwarze vom Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen. "Wir hoffen, dass sich die anderen Ämter und Behörden anschließen und generell für Niedersachsen die Erlaubnis geben."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.05.2020 | 07:00 Uhr

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