Kinderpornografie: Zwei Jahre Haft auf Bewährung für Priester

Stand: 26.10.2022 17:35 Uhr

Das Amtsgericht Osnabrück hat einen 58-jährigen ehemaligen Pfarrer aus Osnabrück wegen des Besitzes von mehr als 6.000 kinderpornografischen Bildern zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt.

Außerdem muss der Priester 10.000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Zudem muss er sich von einer Männerberatungsstelle betreuen lassen sowie seine ambulante Psychotherapie fortsetzen. Der Angeklagte hatte den Besitz kinderpornografischer Dateien vor Gericht eingeräumt. Der Beschuldigte habe seine Tat damit begründet, dass er eine depressive Phase durchgemacht hat, was aber keine Entschuldigung dafür sein solle, sagte die Richterin am Mittwoch. Das am Mittwoch gesprochene Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Öffentlichkeit wurde ausgeschlossen

Für die Dauer der Vernehmung und für die Plädoyers des Anwalts und der Staatsanwältin war die Öffentlichkeit von der Verhandlung ausgeschlossen. Die dabei zur Sprache kommenden sexuellen Bedürfnisse und Vorlieben gehörten zur Intimsphäre des Angeklagten, deren Schutz wichtiger sei als das Interesse der Öffentlichkeit, sagte die Richterin.

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Es ging ausschließlich um den Besitz von Kinderpornografie - nicht um Verbreitung

Bei dem früheren Pfarrer einer Osnabrücker Kirchengemeinde waren im vergangenen November die Dateien mit Abbildungen von sexuellem Missbrauch an Kindern auf diversen Geräten gefunden worden. Bei den Bildern handelte es sich dem Gericht zufolge überwiegend um so genannte Posing-Aufnahmen, die leicht- oder nicht bekleidete Jungen und Mädchen in aufreizender Stellung zeigten. Die Polizei habe keine Hinweise darauf gefunden, dass der Priester an der Herstellung oder Verbreitung solcher Bilder beteiligt gewesen sei, betonte die Richterin.

Ein kirchenrechtliches Verfahren steht an

Bischof Franz-Josef Bode hatte den Priester der katholischen St. Elisabeth Gemeinde in Osnabrück bereits vor knapp einem Jahr vom Dienst freigestellt und eine kirchenrechtliche Voruntersuchung angeordnet. Nach Angaben des Bistums Osnabrück müsse sich der Priester auch einem kirchenrechtlichen Verfahren in Rom stellen.

Zeuge findet Bilder zufällig auf Speichermedium

Die Ermittlungen gegen den 58-Jährigen waren ins Rollen gekommen, nachdem er ein Speichermedium mit Dateien zum Ausdrucken in einen Shop gebracht hatte. Ein Mitarbeiter des Shops soll dabei auf verbotene Bilder gestoßen sein. Er informierte die Polizei. Bei einer Razzia stellten Fahnder weitere Datenträger mit einer mittleren vierstelligen Anzahl auffälliger Dateien sicher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 26.10.2022 | 15:00 Uhr

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