Stand: 01.02.2020 08:15 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Wilhelmshaven: Knochenjob am Walskelett

von Jutta Przygoda
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Die Präparatoren Jan Hakhof (links) und Chris Walen bringen das Wal-Skelett aus dem Wattenmeer Besucherzentrum in Form.

Im UNESCO-Welterbe Wattenmeer Besucherzentrum in Wilhelmshaven haben Bauarbeiter die Regie übernommen. Das Haus wird in diesem Jahr komplett umgebaut und bekommt neue Ausstellungen und einen erweiterten Vortragssaal. Deshalb musste jetzt auch das 12 Meter lange Skelett eines 1994 auf Baltrum gestrandeten Pottwals weichen, das bisher im Untergeschoss gezeigt wurde. Präparatoren aus den Niederlanden zerlegen das Skelett aktuell in seine Einzelteile. Sie packen die Walknochen ein und nehmen sie mit in die Niederlande, um dem Skelett dort eine neue Form zu geben.

Schädel und Unterkiefer wiegen rund 400 Kilogramm

Der Akkuschrauber surrt, Befestigungen lösen sich. Die Präparatoren Chris Walen und Jan Hakhof schrauben die Knochen der rechten Flosse des Pottwals ab. Während der eine die Schraube zieht, stützt der andere die Teile ab. Wie beim Menschen sind auch beim Wal vom Schulterblatt bis zu den Fingern alle Knochenteile zu erkennen. Riesig ist der Kopf. Er macht fast ein Drittel des Tieres aus. 400 Kilogramm, so schätzt Chris Walen, wiegen Pottwalschädel und Unterkiefer zusammen. Letzterer ist bereits abgelöst und lagert gepolstert auf zwei Rollwagen.

Wal-Skelett bekommt neue Form

Anschließend vermessen die Niederländer die Wirbelsäule des Wals. Dies hilft ihnen später, das neue Modell zu berechnen. Denn wenn der Pottwal hier Ende des Jahres im Rahmen einer neuen Dauerausstellung über Wale und die Gefahren durch Müll und Lärm gezeigt wird, soll er aus dem ersten Stock über einen Durchbruch ins Untergeschoss abtauchen. Er braucht dafür eine neue Form, die die Präparatoren ihm in den kommenden Monaten mit Hilfe einer Stahlkonstruktion in ihrer Werkstatt geben wollen.

Pottwal strandete 1994 auf einer Sandbank vor Baltrum

Für die Walknochen ist es bereits der fünfte Umzug. Allein in Wilhelmshaven hatte es in den vergangenen Jahrzehnten an vier Orten Ausstellungen mit dem Pottwal-Skelett gegeben. Der Wal war immer eine Sensation, weil hier - als große Ausnahme - auch Teile seiner inneren Organe zu sehen sind, erzählt die Leiterin des UNESCO Wattenmeer Besucherzentrums, Juliana Köhler. Am 4. November 1994 war das Pottwalmännchen auf einer Sandbank vor der Nordseeinsel Baltrum gestrandet. Das Tier verendete durch den Druck seines eigenen Körpergewichts auf die inneren Organe. Pottwale verirren sich auf ihren Wanderungen immer wieder in die für sie viel zu flache Nordsee.

Gunter von Hagens rettete die inneren Organe

Der stinkende, aufgeblasene Kadaver wurde nach Norden-Norddeich transportiert. Während die Knochen später in Wilhelmshaven gereinigt und entfettet wurden, brauchten die Organe eine besondere Behandlung. Der Plastinator Gunther von Hagens nahm damals das Blasloch vom Kopf, den Penis und die inneren Organe des Wals mit nach Heidelberg in seine Werkstatt, um auch diese Teile dauerhaft zu konservieren. Als von Hagens fertig war, wurden Herz und Lunge als die damals größten plastinierten Organe in Tokio ausgestellt. 1997 kamen die Wal-Innereien schließlich nach Wilhelmshaven. Sie wurden dort zum ersten Mal zusammen mit den Knochen am Südstrand präsentiert. Später folgten laut Köhler zwei weitere Ausstellungen, unter anderem im Küstenmuseum. Die letzte wurde seit 2011 im Erdgeschoss des Wattenmeer Besucherzentrums gezeigt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 31.01.2020 | 17:00 Uhr

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