Stand: 18.06.2019 16:00 Uhr

Werft muss "Gorch Fock" vorerst nicht herausgeben

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Die "Gorch Fock" liegt derzeit im Dock der Bremerhavener Bredo-Werft.

Im Streit um unbezahlte Rechnungen für die Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock" hat das Bundesverteidigungsministerium eine juristische Niederlage erlitten. Das Landgericht Bremen lehnte es am Dienstag ab, eine einstweilige Verfügung gegen die Bredo-Werft in Bremerhaven zu erlassen und so die Herausgabe des Schiffes zu erzwingen. Die Bredo-Werft hatte angekündigt, das Schiff am Freitag nur zu Wasser zu lassen, wenn der Bund offene Rechnungen im Umfang von 5,1 Millionen Euro brutto begleicht. Das Gericht teilte mit, dass dieser Streit nicht eilbedürftig entschieden werden müsse.

Werft betrachtet "Gorch Fock" als Pfand

Nach dem finanziellen Desaster bei der Sanierung der "Gorch Fock" waren am Montag in Nordenham (Landkreis Wesermarsch) erstmals die rund 100 Gläubiger der Werft zusammengekommen. Der Subunternehmer aus Bremerhaven, bei dem das Segelschulschiff im Dock liegt, will das Schiff als Pfand behalten. Die Werft hat nach eigenen Angaben noch kein Geld für die Reparatur des Schiffsrumpfes erhalten. Der geforderte Abschlag entspräche etwa der Hälfte der Außenstände von 10,5 Millionen Euro. Im Mai hatte das größte Subunternehmen bei der Sanierung der "Gorch Fock" dem Bund ein Ultimatum gestellt, weil es durch die fehlenden Gelder selbst in Schieflage geraten war.

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Auf den Spuren der Millionen: Der Gorch-Fock-Krimi

07.05.2019 21:15 Uhr
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Um das Segelschulschiff "Gorch Fock" spielt sich ein Krimi ab: Vor drei Jahren in die Werft zu einer kleinen Reparatur gekommen, stiegen die Kosten auf über 100 Millionen Euro. Video (29:52 min)

Elsflether Werft steht zum Verkauf

Der Millionen-Streit überlagerte die Gläubigerversammlung in Nordenham. Die Beteiligten beschlossen in den Räumen des Amtsgerichts, dass das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung fortgesetzt werden darf. Axel Birk, Vorstand der Elsflether Werft, konnte allerdings nicht mitteilen, wann und wie viel Geld aus dem Verfahren erlöst werden kann. Größter Wert in den Händen der Insolvenzverwalter ist die zum Verkauf stehende Elsflether Werft selbst.

Untreue-Ermittlungen gegen Vorstände

Bei der Instandsetzung des Segelschulschiffes der Marine sind die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen. Statt der ursprünglich veranschlagten zehn Millionen Euro wird mit Endkosten von 135 Millionen Euro gerechnet. Die Elsflether Werft als Generalauftragnehmer der Sanierung hatte im Februar Insolvenz angemeldet. Die Osnabrücker Staatsanwaltschaft ermittelt gegen die beiden entlassenen Vorstände der Elsflether Werft wegen des Verdachts der Untreue. Sie sollen rund 20 Millionen Euro an Einnahmen in Nebengeschäfte mit Firmen gesteckt haben, an denen sie selbst beteiligt sein sollen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 18.06.2019 | 17:00 Uhr

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