Mitarbeiter der Meyer Werft sind während ihrer Betriebsversammlung vor den Toren der Werft auf einem Parkplatz versammelt. © dpa-Bildfunk Foto: Mohssen Assanimoghaddam

VW-Betriebsrat: Spitze der Meyer Werft "sollte sich schämen"

Stand: 11.06.2021 10:51 Uhr

Die Spitzen des Volkswagen-Gesamtbetriebsrats kritisieren die Geschäftsleitung der Meyer Werft scharf. In einem offenen Brief an den Papenburger Betriebsratsvorsitzenden verurteilt sie die Methoden.

Mit dem Brief wollen die Wolfsburger Arbeitnehmervertreter ihren Papenburger Kollegen den Rücken stärken. In dem Schreiben an den Betriebsrats-Vorsitzenden Nico Bloem, das dem NDR Niedersachsen vorliegt, heißt es wörtlich: "Eure Geschäftsführung sollte sich schämen." Hintergrund ist eine Auseinandersetzung zwischen Unternehmensspitze, Betriebsrat und IG Metall über geplante Sparmaßnahmen. Die Werftleitung hatte am vergangenen Wochenende die Belegschaft darüber abstimmen lassen, wie vielen Beschäftigten gekündigt werden soll.

Stillstand in der Kreuzfahrtbranche: Neue Aufträge fehlen

Die Meyer Werft als größter deutscher Schiffbaubetrieb steckt wegen des Stillstands der Kreuzfahrtbranche in Folge der Corona-Pandemie in Schwierigkeiten. Für die Werftspitze steht daher fest, dass Stellen abgebaut werden müssen. in der Umfrage konnten die Mitarbeitenden darüber abstimmen, ob 660 oder 1.000 Arbeitsplätze gestrichen werden sollen. Jedoch: Werden es 660, soll jeder verbleibende Mitarbeitende dafür einen Beitrag von 200 unbezahlten Arbeitsstunden im Jahr leisten.

Weil: Vorgehen "vergiftet die Atmosphäre"

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte die Abstimmung Anfang der Woche kritisiert. "Das war nicht in Ordnung, und wir wollen, dass man fair miteinander umgeht", sagte Weil am Montagnachmittag bei einem Treffen mit den Meyer-Betriebsräten und Vertrauensleuten der Gewerkschaft IG Metall . "Ich wünsche mir schon, dass das ein Ende hat, das vergiftet die Atmosphäre." Weil stellte sich hinter die Forderung der Arbeitnehmervertreter, die Stammbelegschaft nicht durch Werkvertragsarbeiter zu ersetzen.

TUI-Betriebsrat "zutiefst schockiert"

Unterstützung für die Mitarbeitenden in Papenburg kam auch vonseiten des TUI-Betriebsrates in Hannover. "Wir sind zutiefst schockiert, welches Verhalten von eurer Geschäftsführung in der Auseinandersetzung um ein beabsichtigtes Einsparprogramm an den Tag gelegt wird", hieß es in einem Schreiben an den Meyer-Betriebsratschef Bloem. Der hannoversche Kreuzfahrtanbieter ist eigenen Angaben zufolge seit vielen Jahren Kunde der Werft.

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Die Meyer Werft. © picture alliance Foto: Mohssen Assanimoghaddam

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Dieses Thema im Programm:

Regional Oldenburg | 11.06.2021 | 10:30 Uhr

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