Stand: 18.08.2020 07:18 Uhr

Tatort Einsatzort - Feuerwehr zeigt Gewalttäter an

Rettungskräfte suchen nach einem vermissten Jungen am Idasee nahe Rhauderfehn (Landkreis Ostfriesland). © NonstopNews
Bei der Suche nach einem sechsjährigen Jungen im Landkreis Leer haben Schaulustige am Freitag Feuerwehrleute und Rettungspersonal beleidigt.

Pöbeleien, Beleidigungen, körperliche Übergriffe - der Ton gegenüber Rettungskräften wird zunehmend rauer. In der vergangenen Woche traf es die Feuerwehren des Landkreises Leer doppelt: Erst bei dem Brand eines Hofes in Holtland. Dann bei der vergeblichen Rettungsaktion eines Sechsjährigen am Idasee. Bei dem Feuer in Holtlands Ortsteil Hesel waren 50 Rinder verendet. Schaulustige pöbelten erst vor Ort, hinterher im Netz - und drohten den Rettern Gewalt an. Wenige Stunden später gab es am Idasee ein ähnliches Bild - Verbalattacken gegen Einsatzkräfte, während diese das Leben des Kindes zu retten versuchen.

VIDEO: Woher kommt die Wut gegen die Feuerwehren? (3 Min)

"Alle Rechtsmittel ausschöpfen"

Die Betroffenen wollen sich nun zur Wehr setzen. "Das lassen wir uns in der Form nicht mehr gefallen", sagte Kreisbrandmeister Johann Waten gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Nach Absprache mit dem Landrat sollen die Hetzer angezeigt werden. Das Internet sei kein rechtsfreier Raum, so Waten. "Die Menschen wissen oft nicht, warum wir wie arbeiten." Landrat Matthias Groote (SPD) ist immer noch fassungslos wegen der Angriffe. Einer habe gedroht, einem Retter mit einem Feuerlöscher ins Gesicht zu schlagen. "Das sind Sachen, die sind unentschuldbar", sagte Groote. "Da werden wir alle Rechtsmittel ausschöpfen."

Gewalt gegen Retter schreckt Nachwuchs ab

Ähnliche Erfahrungen hat die Feuerwehr Wunstorf (Region Hannover) gemacht - und Pöbler angezeigt. Außerdem haben die Retter in einem offenen Brief erklärt, warum sie auch zu vermeintlich kleinen Einsätzen mit einem vermeintlich großen Aufgebot ausrücken. Angriffe auf Feuerwehr seien schlecht für die Nachwuchsgewinnung, sagte Marvin Nowak, Feuerwehrsprecher in Wunstorf. Wer wolle schon ehrenamtlich Feuerwehrmann werden, wenn er für seinen Einsatz auch noch beschimpft und beleidigt werde.

 

Polizei Hannover ruft Anti-Gewalt-Kampagne ins Leben

Die Polizei Hannover hat im vergangenen Jahr eine überregionale Anti-Gewalt-Kampagne ins Leben gerufen. Unter dem Hashtag #schlussdamit soll konstant hohen Fallzahlen in der Gewaltkriminalität entgegengewirkt werden. Diese hat verschiedenen Aspekte zu Gewalt im Alltag zum Thema - unter anderem unter dem Slogan "Wasser marsch statt Ring frei" Attacken gegen Einsatz- und Rettungskräfte. "Gewalt in Sprache oder in Taten gehört geächtet. Erst recht, wenn es sich um Menschen handelt, die im Ehrenamt, in einem politischen Amt, als Polizistin oder Polizist, im Rettungsdienst oder bei der Feuerwehr tagtäglich ihren Dienst für diese Gesellschaft leisten", sagte Savas Gül, Leiter des Dezernats für Kriminalitätsbekämpfung und Prävention bei der Polizei Hannover, bei der Kick-off-Veranstaltiung.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 17.08.2020 | 19:30 Uhr

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