Halbierte Schweine hängen in einem Schlachthof an den Haken. © picture alliance/Mohssen Assanimoghaddam/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam

"Schweinestau": Kühlhäuser füllen sich mit Fleisch

Stand: 25.01.2021 08:48 Uhr

Wegen der schleppenden Nachfrage nach Schweinefleisch füllen sich auch in Niedersachsen die Kühlhäuser. Das berichtet die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

"Derzeit wird viel eingefroren", so der Sprecher der ISN, Torsten Staack aus Damme (Landkreis Vechta). Seit vergangenem März - also in etwa seit Beginn des ersten Corona-Shutdowns - habe sich die Nachfrage nach Schweinefleisch verringert. Das wiederum habe zu einem Anstieg bei der Menge der Lagerware geführt. Seit dem Exportstopp für Schweinefleisch im September vergrößerte sich der Lagerbestand zusätzlich noch weiter. Diesen sogenannten "Schweinestau" beklagen die Landwirte bereits seit Monaten.

Millionen Tiere in Schlacht-Warteschleife

Dazu kommt: Wegen verstärkter Hygieneregeln in den Schlachthöfen und zum Teil wegen Corona-Infektionen unter den Mitarbeitern ist die Schlachtkapazität seit einiger Zeit deutschlandweit reduziert. Die Tiere konnten laut ISN deshalb nur mit Verzögerung geschlachtet werden. Die Zahl der Schweine, die in dieser Warteschleife sitzen, habe ihren Höhepunkt über die Weihnachtsfeiertage gehabt: "Da haben wir an der Millionen-Grenze gekratzt", so Staack. Allerdings hätten die Landwirte bereits reagiert: Seit September hätten sie weniger Ferkel zur Mast in die Ställe geholt - rund fünf Prozent weniger als im Vorjahr. Dadurch gebe es jetzt wieder weniger Schlachttiere. Allerdings: "Wir haben einen sehr langen Bremsweg", gibt der Vizepräsident des Landvolks Niedersachsen, Jörn Ehlers, zu.

Chinesen kaufen kein deutsches Fleisch mehr

Grund für die zuvor hohe Zahl an Schlachttieren ist auch die zurückliegende Boom-Situation auf dem internationalen Schweinemarkt: Bis zum September hatten die Landwirte von hohen Exportzahlen nach China profitiert. Ende 2019 lag der Durchschnitts-Kilo-Schlachtpreis so noch bei rund zwei Euro. Nachdem aber auch in Deutschland die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist und die Chinesen kein deutsches Fleisch mehr importieren, ist auch dieser Markt weggebrochen. Die Folge: Der aktuelle Kilopreis liegt nur noch bei 1,19 Euro.

Schwieriger Markt: Mehr Schweinehalter geben auf

Wegen des Corona-Lockdowns seien aber auch andere Absatzmärkte weggebrochen, sagt Torsten Staack vom ISN. Beispiele seien die Kantinen oder auch der Bratwurstverkauf in den Bundesligastadien am Wochenende. Die Forderung: Die Bundesregierung müsse sich jetzt um andere Märkte in Asien bemühen, um deutsches Fleisch abzusetzen. "Auch Südkorea und Japan sind für uns wichtig", so Staack. Landvolk-Vize Ehlers prophezeit derweil eine Veränderung der Märkte: Statt Deutschland würden demnach nun andere Länder die Chance ergreifen, die Nachfrage nach Schweinefleisch in China zu stillen. Auch deshalb würden nun noch mehr Schweinehalter - vor allem Sauenhalter und Ferkelerzeuger - aufgeben. Ehlers: "Die wirtschaftliche Situation ist einfach zu schwierig."

 

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