Olaf Lies (SPD) im Interview. © NDR

Rudel Herzlake: Land will vorerst keine weiteren Wölfe töten

Stand: 12.02.2021 17:34 Uhr

Mit dem Abschuss einer Fähe ist in Niedersachsen nach knapp fünf Jahren erstmals wieder ein Wolf geschossen worden. Die Genehmigung galt für einen Rüden, ist nun aber erloschen.

Zunächst werden keine weiteren Tiere des Herzlaker Rudels gejagt, wie ein Sprecher des Umweltministeriums am Freitag sagte. Der Abschuss der Wölfin bei Löningen (Landkreis Cloppenburg) sei durch eine Ausnahmegenehmigung gedeckt gewesen. Dass offenbar ein anderes Tier als geplant getötet wurde, sei wegen eines engen räumlichen und zeitlichen Zusammenhanges zu den Rissen durch das Bundesnaturschutzgesetz gedeckt. "Die wirkliche Identifizierung des einzelnen Wolfes ist in diesem Gelände kaum möglich", sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Donnerstag.

Strafanzeige gegen Lies und Schützen gestellt

Die Interessengemeinschaft Wolfsfreunde Deutschland spricht dagegen von einer "rechtswidrigen Tötung" und hat eigenen Angaben zufolge Strafanzeige gegen Lies, den zuständigen Landrat und den unbekannten Schützen gestellt. Der Landesjägerschaft kommt das nicht ganz ungelegen: "Von einem Urteil in einem Prozess nach der Strafanzeige erhoffen wir uns Rechtssicherheit", sagte der Präsident Helmut Dammann-Tamke. Es handele sich um die bundesweit erste Wolfsentnahme, die mit Nutztierrissen begründet werde. Die Jäger reißen sich Damman-Tamke zufolge nicht darum, Wölfe zu schießen. "Das ist keine Jagd, sondern eine Anordnung nach Naturschutzrecht, an der sich wenige freiwillig beteiligen." Die Jäger bringen sich dem laut dem CDU-Landtagsabgeordneten nur ein, wenn ihre Anonymität gesichert werde.

NABU beklagt "Wild-West-Manier" des Ministeriums

Der Naturschutzbund NABU bekräftigte unterdessen seine Kritik an dem Abschuss. "Wir sind hier nicht im Wilden Westen, wo nach Gutdünken Wölfe abgeschossen werden, bis man den richtigen Wolf irgendwann trifft", sagte der Landesvorsitzende Holger Buschmann. Diesen Eindruck erwecke jedoch das Umweltministerium, indem es "geheime Abschusslisten" von Wölfen führe. Die Behörde müsse ihre Abschussgenehmigungen öffentlich machen und transparent darlegen, weshalb einzelne Wölfe entnommen werden sollen, so der NABU-Chef.

Für wie viele Tiere gibt es Abschussgenehmigungen?

Das Umweltministerium will Informationen über weitere Ausnahmegenehmigungen allerdings nicht veröffentlichen, sagte ein Sprecher am Freitag. Auf diese Weise sollen die betroffenen Weidetierhalter und Jäger geschützt werden, so die Begründung.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 12.02.2021 | 15:30 Uhr

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Umweltpolitik

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