Stand: 11.06.2020 18:45 Uhr

Reste ehemaliger Synagoge in Leer freigelegt

Bei Ausgrabungen sind Stufen der früheren Synagoge in Leer freigelegt zu sehen. © Ostfriesische Landschaft Foto: Kegler
Archäologen legen die Überreste der Leeraner Synagoge frei und gleichen ihre Untersuchungen mit alten Bauplänen ab.

Mehr als 80 Jahre nach ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht haben Archäologen die Fundamente der früheren Synagoge in Leer freigelegt. Nach Angaben der Ostfriesischen Landschaft, die die Grabungen verantwortet, war der prächtige Kuppelbau am 28. Mai 1885 fertiggestellt und in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 von den Nazis niedergebrannt worden. Kaum eine Woche später sei die Ruine abgerissen und eingeebnet worden, hieß es von der Kultureinrichtung mit Sitz in Aurich. Bis in die 1960er-Jahre habe das Grundstück brach gelegen, dann seien dort eine Werkstatt und eine Waschhalle für die benachbarte Tankstelle errichtet wurden. Inzwischen erinnert eine Gedenktafel an den Standort der Synagoge.

Wissenschaftler graben sich durch einen halben Meter Brandschutt

Auf einer Postkarte ist die bis zur Zerstörung der Nationalsozialisten existierende Synagoge der ostfriesischen Stadt Leer zu sehen. © wikimedia.org
Die Synagoge wurde 1885 fertiggestellt und gut 50 Jahre später von den Nationalsozialisten zerstört. (Archivbild)

Dank der Grabungen sei es jetzt möglich, die letzten Reste der Synagoge vor ihrer endgültigen Zerstörung zu dokumentieren, so die Ostfriesische Landschaft. Denn auf dem Grundstück soll nun ein Wohn- und Geschäftshaus entstehen. Die Wissenschaftler fanden den Angaben zufolge in zwei Metern Tiefe das Fundament der nördlichen Außenwand der Synagoge. Auf ihm liege als "Zeitkapsel" die Brandschicht des Feuers aus dem November 1938, so die Ostfriesische Landschaft. Außerdem gut 50 Zentimeter Bau- und Brandschutt. Man sei nun in der Lage, die Untersuchungsergebnisse mit alten Bauplänen abzugleichen und Spekulationen über die präzise Lage des Gebäudes zu beenden. Die Forscher öffneten außerdem den Eingang in das Untergeschoss der ehemaligen Rabbinerwohnung. Dort seien drei Stufen entdeckt worden, die möglicherweise zu einem rituellen Tauchbad führten, hieß es.

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 11.06.2020 | 17:00 Uhr

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