Stand: 04.07.2019 10:03 Uhr

"Polarstern": Freiwillig gefangen im ewigen Eis

Gerade zurück aus der Antarktis, wird das Forschungsschiff "Polarstern" bis Mitte August auf der Lloyd Werft in Bremerhaven für den nächsten Einsatz fit gemacht. Die anstehende Expedition, die am 20. September im norwegischen Tromsø beginnen soll, wird sich von den vorherigen deutlich unterscheiden: Ein Jahr lang wird die "Polarstern" nach Angaben des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts (AWI) fest eingefroren im arktischen Eis durch das Nordpolarmeer driften. "Eine vergleichbare Expedition hat es noch nie gegeben", sagte AWI-Projektleiter Markus Rex am Mittwoch an Bord des Schiffes.

Die "Polarstern" liegt am Eis an.

"Polarstern": Vorbereitungen für das Eis

Hallo Niedersachsen -

Es wird die größte Arktis-Forschungsexpedition aller Zeiten: Ein Jahr lang wollen Wissenschaftler mit der "Polarstern" durchs Nordpolarmeer driften - ein logistischer Kraftakt.

5 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Einfluss der Arktis auf das Weltklima erforschen

An der Polardrift werden rund 600 Menschen aus 17 Ländern teilnehmen - verteilt auf mehrere Fahrtabschnitte. Eine Flotte von Eisbrechern, Helikoptern und Flugzeugen wird die Wissenschaftler an Bord der "Polarstern" versorgen. Ziel der Eisdrift-Mission mit dem Namen "MOSAiC" ist nach Auskunft der Polarforscher, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen. Erst im Oktober 2020 wird die "Polarstern" wieder in ihren Heimathafen Bremerhaven zurückkehren. 90 Prozent der Kosten von über 120 Millionen Euro trägt das Bundesforschungsministerium.

Ausrüstung wird dem Polarwinter angepasst

Expeditionsleiter Markus Rex sieht die dramatische Erwärmung der Arktis in den heutigen Klimamodellen nicht in vollem Umfang abgebildet. "Deshalb müssen wir vor allem im Winter die Prozesse im Klimageschehen umfassend studieren", so der AWI-Atmosphärenforscher. Am Mittwoch wurde auf dem Bug des Eisbrechers ein zusätzlicher Kran montiert. "Mit ihm können wir Messinstrumente bis dicht über der Eisfläche 'runterlassen", erklärte Markus Rex. Außerdem soll ein geheizter Tunnel am Schiff installiert werden, um Wasserproben und Messgeräte aus dem Ozean unbeschadet an Bord zu holen. "Sie würden bei Außentemperaturen im Winter von bis zu minus 45 Grad sonst schockgefrieren", so Rex.

Wo das Eis selbst für Eisbrecher zu dick ist

Die einjährige Arktis-Expedition der "Polarstern" erinnert an die Eisdrift des norwegischen Polarforschers Fridtjof Nansen. Nansen hatte sich 1893 mit dem speziell dafür angefertigten Segelschiff "Fram" vom Packeis einschließen lassen, um die polare Driftströmung zu erforschen. "Er hat uns gezeigt, dass das möglich ist", sagte Rex. Erstmals werde man so die Prozesse in der zentralen Arktis auch im Winter untersuchen können. Die Drift sei der einzige Weg, den direkten Polbereich nördlich des 87. Breitengrades im Winter zu erreichen, weil das Eis dort im Winter selbst für einen Eisbrecher zu dick sei.

"Polarstern": Seit über 30 Jahren im Eis unterwegs

Weitere Informationen
04:09
Hallo Niedersachsen

Piloten üben für Erkundungsflüge in der Arktis

Hallo Niedersachsen

Auf dem Flugplatz in Emden bereiten sich Piloten auf ihren Einsatz in der Arktis vor. Bald geht es auf eine Mission des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung. Video (04:09 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 03.07.2019 | 09:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:31
Hallo Niedersachsen
03:13
Hallo Niedersachsen
03:02
Hallo Niedersachsen