Stand: 01.04.2020 09:34 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Polarstern"-Crew sitzt wegen Corona in Arktis fest

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Wissenschaftler der "Mosaic"-Expedition mussten länger als geplant in der Arktis aushalten.

Eigentlich sollte Markus Rex schon längst wieder auf dem Forschungsschiff "Polarstern" sein, das seit fünf Monaten auf einer Eisscholle durch die Arktis driftet. Stattdessen befindet sich der Leiter der "Mosaic"-Expedition in selbst auferlegter häuslicher Quarantäne. Im Rahmen eines Projekts hatte er Kontakt zu einem anderen Teilnehmer, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Doch nicht nur Rex sitzt in Deutschland fest, sondern auch die mittlerweile dritte Crew auf der "Polarstern". Die neue Mannschaft darf derzeit nicht auf das Schiff. Der Zubringerverkehr aus dem norwegischen Spitzbergen ist eingestellt. Deshalb muss die aktuelle Crew erst mal auf dem Schiff bleiben.

"Polarstern": Extremes Arbeiten auf dünnem Eis

Nordseereport -

Seit September ist das Forschungsschiff "Polarstern" des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts in der Arktis eingefroren. Die Forscher berichten von ihrer Arbeit dort.

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Zweite Crew landet Mittwoch in Bremen

Unterdessen sind die Wissenschaftler der "Polarstern", die zur zweiten Crew gehörten, in Tromsø in Norwegen angekommen. Von dort aus sollen die 76 Mitglieder heute mit einem Charterflug nach Bremen weiterreisen, wo sie am Flughafen separat abgefertigt werden. Unter den Rückkehrern befinden sich 16 Personen aus anderen Ländern. Sie sollen zunächst in ein Hotel in Bremen gebracht und vom Bremer Gesundheitsamt untersucht werden. Danach ist die Weiterreise in ihre Heimatländer geplant. Ein Versorgungsschiff hatte die Wissenschaftler vor einigen Wochen von der "Polarstern" abgeholt und sich auf den Weg nach Norwegen gemacht. Weil das arktische Eis stellenweise aber unerwartet dick war, kam das Schiff langsamer voran als geplant.

Austausch könnte im Mai klappen

Als die "Polarstern" am 20. September von Norwegen aus in die Arktis aufbrach, gab es zahlreiche Notfallszenarien. Auf alle Eventualitäten wollten die Wissenschaftler vorbereitet sein. Doch an eine Pandemie dieses Ausmaßes hätten sie nicht gedacht, sagte Rex. "Das konnte niemand vorhersehen." Eigentlich sollten alle zwei Monate die einhundert internationalen Forscher an Bord ausgetauscht werden. Doch nun darf niemand mehr nach Norwegen einreisen. Zudem haben die Wissenschaftler von ihren Instituten Reiseverbote auferlegt bekommen. "Wir sind mit unseren Partnern in der Diskussion, wie wir den nächsten Austausch trotzdem hinbekommen", sagte Rex. Es müsse eine sichere Lösung gefunden werden, die von allen Behörden genehmigt wird. Er geht davon aus, dass es im Mai klappen wird. Klar ist, dass die neue Crew zwei Mal auf das Coronavirus getestet werde, bevor sie auf die "Polastern" komme.

Crew hat keine Vorstellung von Ausmaß der Pandemie

Die aktuelle Mannschaft sei indes gut versorgt auf dem Schiff. Lebensmittel und Treibstoff seien ausreichend vorhanden, sagte Rex. Die ungeplante Verlängerung nehme jeder Teilnehmer anders wahr. "Natürlich gibt es auch welche, die darunter leiden und gern bei ihren Familien wären." Deshalb würden auch Satellitentelefongespräche mit einem Coach angeboten, der sich auf Krisenbewältigung spezialisiert habe. Bisher sehe er aber nicht, dass dies nötig sei, sagte Rex. Das dramatische Ausmaß der Corona-Pandemie müsse den Forschern erst einmal bewusst werden. Zwar erhielten sie jeden Tag kurze Zusammenfassungen der Nachrichten, aber im Internet surfen könnten sie nicht, dazu reiche die Bandbreite nicht. Und so bekämen die Forscher die sich manchmal stündlich überschlagenden Nachrichten nicht mit.

Kein vorzeitiger Abbruch der "Mosaic"-Expedition

Die Mannschaft hat derzeit auch ihre ganz eigenen Probleme. "Es gibt eine hohe Eisdynamik, immer wieder entstehen Risse auf der Scholle, und Instrumente drohen zu versinken", sagte Rex. Das beschere den Forschern viel Arbeit. "Das Leben an Bord geht weiter wie eh und je." Zu einem frühzeitigen Abbruch der Mission werde die Corona-Pandemie nach aktueller Lage nicht führen, sagte Rex. "Wir gehen weiterhin davon aus, dass die 'Polarstern' wie geplant am 12. Oktober nach Bremerhaven zurückkehren wird." Am 1. April feiert die Mission Halbzeit.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 31.03.2020 | 07:30 Uhr

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