Ein Arzt misst den Blutdruck eines Patienten. © picture alliance Foto: Christin Klose

Missachtung der Corona-Regeln: Ermittlungen gegen Hausarzt

Stand: 16.02.2021 14:07 Uhr

Im Landkreis Vechta soll sich ein Hausarzt bei der Behandlung von Patienten nicht an die Corona-Regeln gehalten haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Der Arzt wehrt sich gegen Vorwürfe.

Es bestehe der Anfangsverdacht der versuchten beziehungsweise vollendeten Körperverletzung, teilte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage mit. Der Mediziner aus Goldenstedt soll weiter in seiner Praxis gearbeitet haben, obwohl er Corona-Symptome hatte. Er soll zumindest teilweise keine Maske getragen haben. Zudem hatte er einen langen Leserbrief geschrieben, in dem er Corona mit einer Erkältung verglich.

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Staatsanwaltschaft: Zusammenhänge "schwer feststellbar"

Der Landkreis hatte die Praxis bereits Ende Januar wegen Hygienemängeln vorübergehend geschlossen. Mittlerweile ist sie wieder geöffnet. Es sei "offensichtlich bekannt, dass dieser Arzt auch zu denen gehört, die Corona leugnen und das alles nicht schlimm finden", hatte in der vergangenen Woche die Vize-Leiterin des Corona-Krisenstabs des Landes, Claudia Schröder, gesagt. Insgesamt hatte der Mann zu etwa 200 Patienten Kontakt, sagte ein Sprecher des Landkreises Vechta. Ob er Menschen angesteckt hatte, und wenn ja, wie viele, könne nicht gesagt werden: "Eine Kausalität ist nur schwer feststellbar." Die Staatsanwaltschaft prüft nun, ob ausreichende Verdachtsmomente eines strafbaren Verhaltens nachzuweisen sind, die ausreichend für eine Anklageerhebung wären.

Arzt: "Anzeige beruht auf falschen Angaben"

Gegenüber NDR 1 Niedersachsen bezeichnete der Arzt die Vorwürfe als falsch und wies sie als unwahr zurück. So könnten allenfalls zwei weitere Coronafälle auf ihn und seine Praxis zurückgeführt werden. Die aktuelle Welle im Landkreis Vechta sei damit auf keinen Fall zu erklären. Auch die Anzeige bei der Staatsanwaltschaft beruhe auf falschen Angaben, sagte der Mediziner. Der Arzt warf dem Gesundheitsamt und der Kreisverwaltung Vechta sowie Vertretern des Landes "üble Nachrede" und "Rufschädigung" vor, die ein existenzgefährdendes Ausmaß erreicht habe. Der Landkreis Vechta hat aktuell hohe Corona-Infektionszahlen. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt aktuell bei 193,3 Fällen pro 100.000 Einwohner.

Arzt hat in der Region viele Gegner

Zum Gesamtzusammenhang der aktuellen Vorwürfe gehört auch, das der in der Kritik stehende Arzt sich seit langem für ausgebeutete Werkvertragsarbeiter in der Fleisch- und Schlachtindustrie einsetzt. Vielen einflussreichen Akteuren in der Region ist er dabei wohl auf die Füße getreten. Nicht ausgeschlossen, dass sich da jetzt einige seiner Widersacher die Hände reiben und Fehler des Arztes ausnutzen, um mit dem Finger auf ihn zu zeigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 16.02.2021 | 09:30 Uhr

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