Arbeiter auf einem der beiden Schwimmteile (Bug) des Kreuzfahrtschiffes "AIDAnova". © picture alliance/Mohssen Assanimoghaddam/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Meyer-Werft: Führung will direkt mit IG Metall verhandeln

Stand: 02.03.2021 19:20 Uhr

Bei der Meyer Werft stehen rund 650 Jobs auf der Kippe. Der Betriebsrat und die IG Metall wollen den Abbau verhindern. Kommt nun Bewegung in die Gespräche?

Weil die Branche durch die Corona-Krise nahezu stillsteht, will der Papenburger Schiffsbauer rund 1,2 Milliarden Euro einsparen. Wie in dieser Krisen-Zeit gespart werden kann, das ist seit Monaten großes Streitthema. Nun will die Geschäftsführung der Werft direkt mit der IG Metall Küste über Sparmaßnahmen verhandeln, wie am Dienstag bekannt wurde. Konkret sei ein Verfahren nach dem sogenannten Pforzheimer Abkommen beantragt worden, sagte ein Werft-Sprecher in Papenburg.

Verzicht auf Weihnachtsgeld möglich?

Diesen Sachstand nannte auch Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) im Unterausschuss für Schifffahrt und Häfen des niedersächsischen Landtags, der sich unter anderem mit der Zukunft der Meyer Werft beschäftigte. Das Pforzheimer Abkommen von 2004 gibt Firmen die Möglichkeit, in Notsituationen Abweichungen vom Flächentarifvertrag auszuhandeln. So könnten zum Beispiel Werftmitarbeiter auf Weihnachtsgeld verzichten oder pro Monat einen Tag unentgeltlich arbeiten. Ansprechpartner ist die Gewerkschaft, die diesen Vertrag geschlossen hat. Für die Meyer Werft ist das der IG-Metall-Bezirk Küste. Über das Verfahren werde nun verhandelt, sagte Althusmann.

"Sozialpartnerschaft vor Ort äußerst schwierig"

Der Minister rief Geschäftsleitung und Betriebsrat auf, sich um der Beschäftigten willen zu einigen. "Die Sozialpartnerschaft vor Ort ist äußerst schwierig, und jede Partei erhebt Vorwürfe gegen die jeweils andere Partei", sagte er nach Angaben seines Ministeriums.

Noch kein Vermittler für Verhandlungen gefunden

In der Ausschuss-Sitzung am Dienstag wollten die Grünen wissen, ob Wirtschaftsminister Althusmann moderierend am Verhandlungstisch in Papenburg teilnehmen wird. Das sei nicht der Fall, erklärte das Ministerium. Laut Meta Janssen-Kucz, die für die Grünen im Ausschuss sitzt, hat das Ministerium wohl Vermittler angeboten. Betriebsrat, IG Metall und die Geschäftsführung der Werft hätten sich aber nicht auf eine Person einigen können, erklärte Janssen-Kucz gegenüber NDR 1 Niedersachsen.

Zwei runde Tische "ziemlich ernüchternd"

Althusmann hat in zwei Beratungsrunden ausloten lassen, wie der Werft geholfen werden kann - auch bei Sachkosten für Lotsendienste oder dem Aufstauen der Ems bei Überführungen neuer Schiffe. Diese Kosten könnten nicht erlassen, sondern nur gestundet werden, berichtete er am Dienstag. Die Werft hat diese Hilfen noch nicht in Anspruch genommen. Janssen-Kucz nannte das Ergebnis der zwei Runden Tische "ziemlich ernüchternd". Ihrem Eindruck nach rücke ein Zukunftsvertrag zwischen Werftleitung und Betriebsrat über die Schritte bis 2025 in weite Ferne.

"Keine unrechtmäßige Verwendung von Werkverträgen"

Für großen Streit sorgen auch die Werkverträge: Betriebsrat und Gewerkschaft werfen der Geschäftsführung vor, Kernarbeiten über Werkverträge erledigen zu lassen, während die Stammbelegschaft in Kurzarbeit ist. Laut Wirtschaftsministerium Althusmann sei das nun geprüft worden. Dabei habe man keine unrechtmäßige Verwendung von Werkverträgen bei der Meyer Werft feststellen können. "Wir haben ebenso die Regionaldirektion Niedersachsen Bremen um eine Bewertung gebeten." Diese hätte mitgeteilt, dass die Situation der Werkvertragsarbeitnehmer im Schiffbau völlig normal und üblich sei. Somit ziehe auch die Fortführung in Zeiten des Kurzarbeitergeldes keinen Verdacht auf einen Leistungsmissbrauch nach sich, so Althusmann.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.03.2021 | 15:00 Uhr

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