Stand: 05.11.2019 18:30 Uhr

Listerien-Frikadellen: Staatsanwaltschaft ermittelt

Im Fall der mit Listerien belasteten Fleischfrikadellen der Firma Fleisch-Krone Feinkost aus Goldenstedt (Landkreis Vechta) hat nun die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Das Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (LAVES) habe eine Strafanzeige gegen das Unternehmen gestellt, teilte Niedersachsens Verbraucherschutzministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) am Dienstag mit.

Firma unter verschärfter Kontrolle

Bei einer Kontrolle von Landkreis und Landesamt in der Firma am vergangenen Freitag waren Hinweise auf Listerien in Fertigfrikadellen gefunden worden. Auf Druck der Behörden rief das Unternehmen die Produkte zurück. Fleisch-Krone stand unter verschärfter Kontrolle, weil bereits in der Vergangenheit Verstöße gegen Hygienerichtlinien an den Standorten in den Kreisen Vechta und Cloppenburg festgestellt worden waren.

Experten suchen weiter nach Ursache

Unterdessen suchen Experten weiter nach den Ursachen für die Keime im Fleisch. In der Zwischenzeit laut gewordene Kritik, dass die Öffentlichkeit spät informiert wurde, wies das zuständige Ministerium für Verbraucherschutz am Montag auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen zurück: Der Vorgang "war völlig in Ordnung", sagte eine Sprecherin. Dass ein Tag verging, bevor die Verbraucher von den Listerien in den Frikadellen erfuhren, sei den bürokratischen Abläufen geschuldet.

Betrieb in Goldenstedt ruht

Die Supermarktkette Norma hatte die verdächtigen Waren nach eigenen Angaben bereits am Freitag aus den Regalen genommen. Kunden, die bereits verkeimte Frikadellen gekauft hatten, wurden vom Land jedoch erst am Sonnabend informiert. Das LAVES hatte am Freitag angeordnet, dass die Zulassung für den Betrieb in Goldenstedt ruht. "Damit ist gesichert, dass dort derzeit nichts raus geht", sagte eine Behördensprecherin.

Bakterien bei Routinekontrolle entdeckt

Zu dem Rückruf geführt hatte eine Routinekontrolle: Der Landkreis Vechta und das Landesamt für Verbraucherschutz (Laves) hatten die Bakterien eigenen Angaben zufolge am Freitag in sogenannten Rückstellproben bei Fleisch-Krone Feinkost in Goldenstedt entdeckt. Dabei handelt es sich um Proben, die vom Unternehmer selbst genommen und für mögliche spätere Untersuchungen aufbewahrt werden. Bei der Routinekontrolle sollten die Zulassungsvoraussetzungen für das Unternehmen überprüft werden, sagte Landkreissprecher Jochen Steinkamp am Montag.

Hersteller beruft sich auf eigene Kontrollen

Fleisch-Krone hatte den Rückruf am Freitagabend veröffentlicht und mitgeteilt, dass die Listerien "im Rahmen einer Eigenkontrolluntersuchung" festgestellt wurden. Vom Verzehr der Produkte werde dringend abgeraten, hieß es vom Unternehmen. Um wie viele Packungen es sich genau handelt, konnte die Firma bislang nicht sagen. Der Betrieb ist seitdem und bis auf weiteres geschlossen - ob auf Anordnung der Behörden oder freiwillig, stellten beide Seiten am Montag gegenüber NDR 1 Niedersachsen unterschiedlich dar.

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Erneut Listerienverdacht in Fleischprodukten

03.11.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Wegen des Verdachts auf Listerien wurde dem Hersteller Fleisch-Krone Feinkost im Kreis Vechta vorerst die Zulassung entzogen. Die Keime wurden in Fertig-Frikadellen entdeckt. Video (01:49 min)

Handelsmarken "Gut Bartenhof" und "ja!" betroffen

Betroffen sind laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit die Handelsmarken "Gut Bartenhof" und "ja!". Im Einzelnen geht es um folgende Chargen:

  • Gut Bartenhof Frikadelle Klassik Charge 97812, MHD 05.11.2019
  • Gut Bartenhof Frikadellenbällchen Charge 97813, MHD 05.11.2019
  • ja! Frikadellenbällchen 500 g-Packung Charge 97814, MHD 05.11.2019
  • ja! Frikadellenbällchen 500 g-Packung Charge 98476, MHD 20.11.2019

Die Fertig-Frikadellen sind nach Angaben des Herstellers an Rewe- und Norma-Filialen in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Brandenburg, Sachsen, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Bayern geliefert worden. Wie viele Packungen konkret von dem Rückruf betroffen sind, konnte Fleisch-Krone nicht sagen. Bei Fragen können sich Verbraucher unter der Telefonnummer (0 54 34) 9460-266 direkt an Fleisch-Krone wenden.

In besonderen Fällen tödliche Erkrankung möglich

Die Bakterien vom Typ Listeria monocytogenes können bei Menschen zur sogenannten Listeriose führen. In den meisten Fällen nimmt die Krankheit einen harmlosen Verlauf. Für geschwächte Personen oder Schwangere kann die Erkrankung allerdings gefährlich werden. Von den rund 300 bis 600 nachgewiesenen jährlichen Fällen in Deutschland verlaufen rund sieben Prozent tödlich. Zuletzt war ein Fall von verunreinigter Wurst eines hessischen Herstellers bekannt geworden. Auch in in Niedersachsen waren Menschen erkrankt, einige Infizierte starben. Ob allerdings die Listerieninfektion die Ursache war, ist unklar.

Hintergrund
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Was Sie über Listerien wissen sollten

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Listerien sind Bakterien, die gesunden Menschen nichts anhaben können. Doch es gibt Risikogruppen. Wer ist gefährdet? Wo kommen die Keime vor? Welche Krankheiten lösen sie aus? mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.11.2019 | 06:00 Uhr

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