Stand: 20.07.2020 16:52 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Kurzarbeit: Meyer Werft sechs Wochen nahezu dicht

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Laut Nico Bloem, dem Betriebsratschef der Meyer Werft, sichert die Kurzarbeit die Arbeitsplätze bis Ende des Jahres. (Archivbild)

Die Papenburger Meyer Werft hat ab Montag ihre Produktion fast vollständig heruntergefahren. Die Werft reagiert damit auf die coronabedingte Flaute in der Kreuzfahrtbranche. Das Unternehmen gehe bis zum 30. August in eine Art verlängerte Betriebsferien, sagte ein Unternehmenssprecher. Auf ihr Urlaubsgeld müssen die mehr als 3.000 Beschäftigten vorerst warten - dabei geht es um 14 Millionen Euro, die erst später ausgezahlt werden sollen. In der Regel macht die Werft im Sommer nur bis zu drei Wochen Pause.

Betriebsratschef: Kurzarbeit ist Arbeitsplatzsicherung bis Jahresende

"Die Stimmung ist nach wie vor angespannt", sagte Betriebsratschef Nico Bloem gegenüber NDR 1 Niedersachsen. Bei vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sei die Arbeitszeit komplett heruntergefahren - Kurzarbeit Null nennt sich das. Ein Teil der Belegschaft setze für die Maßnahmen ihren Erholungsurlaub. Die Betriebsvereinbarung zur Kurzarbeit sei dennoch positiv zu bewerten, "das ist die Arbeitsplatzsicherung bis zum 31. Dezember", so Bloem.

Mehr Zeit für Aufträge, mehr Sicherheit für Belegschaft

Ein weiterer mehrwöchiger Produktionsstopp sei für Dezember geplant. Damit die Kunden nicht ihre Aufträge stornieren, verhandelt die Werft derzeit mit den Reedereien um mehr Zeit für den Bau von Schiffen. Bloem setzt auf die Gespräche. Die Möglichkeit, Aufträge zu strecken, gebe "eine Garantie und eine Sicherheit für die Kolleginnen und Kollegen", sagte der Betriebsratsvorsitzende.

Werft muss kämpfen - im Jubiläumsjahr

Die Corona-Pandemie hat auch die Kreuzfahrtschiff-Branche hart getroffen. Der Tourismus ist im Sinkflug, und neue Schiffe benötigt die Branche derzeit nicht - die Meyer Werft muss in ihrem 225. Jubiläumsjahr kämpfen. Unternehmenschef Bernard Meyer bezeichnete die Lage kürzlich als "prekär". In den kommenden fünf Jahren muss die Werft nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Euro sparen. Nach wie vor hofft das Unternehmen auf Hilfen vom Land Niedersachsen und vom Bund.

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Kurzarbeit und Corona

Das Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bietet in einer Broschüre Informationen für Beschäftigte und Unternehmen an. Download (913 KB)

Schäden nach Feuer werden behoben

Derzeit sind noch Beschäftigte auf der Werft, die das neue Kreuzfahrtschiff "Spirit of Adventure" auf seine Ems-Passage Mitte August vorbereiten sollen. Den genauen Termin will die Werft erst kurzfristig bekannt geben, um einen zu großen Zuschauerandrang an der Ems wegen der Ferienzeit zu vermeiden. Auf der Werft müssen weitere Mitarbeiter außerdem Schäden beheben, die bei einem Feuer auf einem der Schiffe im Juni entstanden sind.

Weitere Informationen

Meyer Werft: Wie hoch steht das Wasser?

Kein Urlaubsgeld zurzeit - stattdessen eine Videobotschaft vom Chef der Meyer Werft an seine Belegschaft: Bernard Meyer bittet um Verständnis für die Verzögerung der Zahlung. (28.06.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 20.07.2020 | 08:00 Uhr

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