Zwei Skifahrer in einem Sessellift. © rcaucino/photocase.de Foto: rcaucino

Kostenloser Reiserücktritt auch ohne Reisewarnung des RKI

Stand: 17.11.2021 19:25 Uhr

Pauschalreisende können auch dann von der Reise zurücktreten, wenn das Robert Koch-Institut (RKI) noch keine Reisewarnung für das Zielgebiet ausgesprochen hat. So urteilte das Landgericht Oldenburg.

Voraussetzung einer kostenlosen Stornierung sei, dass "eine erhebliche Beeinträchtigung der Reise" besteht, wie das Landgericht Oldenburg in einem am Mittwoch bekannt gegebenen, bereits rechtskräftigen Urteil entschied. Die Klägerin hatte für sich und ihren Lebensgefährten für Frühjahr 2020 eine Ski-Reise mit dem Bus nach Südtirol gebucht. Nachdem am 23. Februar 2020 der Landeshauptmann für Bozen-Südtirol eine Corona-Notverordnung erlassen hatte, trat die Klägerin kurz vor der für den 28. Februar geplanten Reise von dem Vertrag zurück. So kurzfristig konnte der Veranstalter weder die Plätze im Bus noch das Hotelzimmer neu belegen. Er behielt deshalb Stornierungsgebühren in Höhe von 1.400 Euro ein und erstattete nur den Rest. Am 9. März 2020 erklärte das RKI Südtirol schließlich zum Risikogebiet.

Pandemie-Lage verschärfte sich zum Zeitpunkt der Stornierung

Wie nun das Landgericht Oldenburg entschied, muss der Veranstalter auch die einbehaltene Stornierungsgebühr zurückzahlen. Maßgeblich für eine kostenlose Stornierung seien deren Zeitpunkt und die zu diesem Zeitpunkt zu treffende Prognose, heißt es. Denn: Zum Zeitpunkt der Stornierung habe sich die Pandemie-Lage in Südtirol erheblich verschärft. Die Infektionswahrscheinlichkeit habe sich dadurch stark erhöht. Das gelte etwa für die An- und Abreise mit dem Bus, den Aufenthalt in Hotel und Gastronomie, beim Transfer zu den Ski-Pisten und beim Anstehen am Lift. Eine Reisewarnung des RKI sei für den kostenlosen Vertragsrücktritt nicht erforderlich gewesen, betonte das Landgericht Oldenburg.

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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.11.2021 | 12:00 Uhr

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