Stand: 05.11.2019 15:13 Uhr

Korruption bei Prothesen? Arzt bestreitet Vorwürfe

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Ein Chirurg am Klinikum Leer soll für das bevorzugte Einsetzen bestimmter Bandscheibenimplantate Geld von einem Medizinprodukte-Hersteller erhalten haben.

Ein Mediziner aus Ostfriesland soll Patienten Bandscheibenprothesen eingesetzt und dafür Geld von einem Schweizer Medizinprodukte-Unternehmen kassiert haben. Seit Dienstag muss sich der 55-jährige Arzt wegen Vorteilsnahme und Bestechlichkeit in besonders schwerem Fall vor dem Landgericht Aurich verantworten. Insgesamt 74 Fälle werden dem ehemaligen Leiter der Wirbelsäulen-Chirurgie am Klinikum Leer vorgeworfen. Laut Staatsanwalt war der Angeklagte der Dreh- und Angelpunkt: Er allein habe entschieden, welche Implantate eingekauft und genutzt wurden. Am ersten Prozesstag bestritt der frühere Chefarzt sämtliche Vorwürfe. Das Urteil soll voraussichtlich Anfang kommenden Jahres fallen. Dem Mediziner drohen im Fall eines Schuldspruchs bis zu zehn Jahre Haft.

Angeklagter Arzt und seiner Verteidiger

Bandscheiben-Prozess: Arzt bestreitet Vorwürfe

Hallo Niedersachsen -

Ein Chirurg soll für den bevorzugten Einsatz von Bandscheibenimplantaten eines bestimmten Herstellers unerlaubt Geld kassiert haben. Der Angeklagte wies die Vorwürfe zurück.

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Provision und Umsatzbeteiligung für den Arzt

Das Verfahren stützt sich auf zwei Anklagen der Zentralstelle für Korruptions-Strafsachen bei der Staatsanwaltschaft Osnabrück. Der Mediziner soll zusammen mit dem Unternehmen für Medizinprodukte ein Implantat für die Wirbelsäulen-Chirurgie entwickelt haben. Dafür, dass er diese Implantate bei Operationen am Klinikum Leer einsetzte, sei er prozentual an den Umsätzen beteiligt worden. Insgesamt habe er mehr als 14.000 Euro erhalten. Die zweite Anklage richtet sich gegen den Arzt und eine Geschäftsführerin einer Vertriebsgesellschaft aus dem hessischen Oberursel. Beide hätten für den Arzt eine Provision vereinbart, die er bei Umsätzen des Unternehmens durch den Verkauf von Medizinprodukten erhalten sollte. Von 2011 bis 2016 soll der Chirurg mehr als 128.000 Euro kassiert haben, so die Anklage.

Prozess wegen Körperverletzung 2020

Ein weiteres Verfahren gegen den Mediziner wegen Körperverletzung in 59 Fällen steht noch aus. Denn viele der eingesetzten Implantate waren später im Körper der Patienten verrutscht oder zerbröselt. Zahlreiche Patienten hatten unter diesen Folgen gelitten und mussten teilweise noch einmal operiert werden. Dieser Prozess um die medizinischen Folgen soll voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen. Das Klinikum Leer hatte den Arzt fristlos entlassen, nachdem die Vorwürfe gegen ihn bekannt geworden waren.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 05.11.2019 | 17:00 Uhr

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