Klinikpersonal protestiert für besseren Personalschlüssel

Stand: 12.04.2021 21:44 Uhr

Viele Klinikbeschäftigte haben sich am Montag an einem bundesweiten Aktionstag der Gewerkschaft ver.di beteiligt. Sie demonstrierten unter anderem in Oldenburg und Gifhorn für mehr Pflegepersonal.

Die Kolleginnen und Kollegen seien am Ende ihrer Kräfte, und das nicht erst seit der Corona-Pandemie, sagte der Betriebsrat des Klinikums Oldenburg, Nils Lotze. Die Politik müsse endlich die Weichen für gute Arbeitsbedingungen und eine hochwertige Gesundheitsversorgung stellen. Die Geduld der Pflegekräfte sei aufgebraucht, so Lotze. Die Menschen könnten zudem nicht mehr so betreut werden, wie es sein sollte.

Pflegende fordern Personalschlüssel

Pflegerinnen und Pfleger müssten teilweise bis zu 14 Personen versorgen, berichtet Krankenpfleger Michael Albert. "Das ist manchmal schon sehr, sehr grenzwertig." Die Betroffenen fordern deshalb einen gesetzlich geregelten Personalschlüssel wie in anderen Ländern. In Norwegen beispielsweise kümmere sich ein Pflegender um maximal sechs Patientinnen und Patienten. "Wir haben viele Kollegen, die ausgebildete Pflegekräfte sind, aber lieber für weniger Geld auf dem Wochenmarkt arbeiten", so Albert.

"So kann es nicht weitergehen"

Mitarbeitende protestieren vor dem Helios-Klinikum in Gifhorn. © ver.di Süd-Ost-Niedersachsen
In Gifhorn machten Klinikbeschäftigte deutlich, dass dringend gehandelt werden muss.

Am Helios Klinikum Gifhorn versammelten sich zahlreiche Beschäftigte um fünf vor Zwölf vor dem Haupteingang der Klinik. Sie machten mit großen Bannern auf ihr Anliegen aufmerksam. "Wir wollen ein sichtbares Zeichen setzen, dass es so nicht weitergehen kann", sagte Jan Seiler, ver.di-Vertrauensmann am Klinikum in Gifhorn. Etliche Beschäftigte würden ihre Arbeitszeit reduzieren oder ganz aus dem Beruf flüchten, weil sie es nicht mehr aushalten.

Zu wenig Bewerber in Osnabrück

Auch in Osnabrück folgten Klinikmitarbeitende dem Aufruf von ver.di. Das Klinikum sei personell unterbesetzt, so Betriebsrat Jürgen Breitkreuz. Für freie Stellen gebe es zu wenig Bewerberinnen und Bewerber. Deshalb müssten beispielsweise die Arbeitsbedingungen verbessert werden.

Bundestag debattiert Gesetz zur Gesundheitsversorgung

Anlass für den Aktionstag ist laut ver.di die heutige Bundestagsanhörung zum "Gesetz zur Weiterentwicklung der Gesundheitsversorgung". "Schon seit Jahren machen wir darauf aufmerksam, dass an allen Ecken und Enden Personal fehlt", sagte ver.di-Sprecher Marcel Richter. "Doch bis auf viele Versprechungen kommt in den Kliniken nichts an."

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NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 12.04.2021 | 15:00 Uhr

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