Stand: 09.04.2019 15:10 Uhr

IS-Anhängerin schweigt zum Prozessbeginn

Die Angeklagte, die sich der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) im Irak angeschlossen haben soll, hält sich beim Betreten des Gerichtssaals einen roten Aktendeckel vor das Gesicht. © dpa-Bildfunk Foto: Peter Kneffel
Die Angeklagte will sich zu den schweren Vorwürfen vorerst nicht äußern.

Eine 27-jährige Frau aus Lohne im Landkreis Vechta soll im Irak für die sogenannte Sittenpolizei des "Islamischen Staats" (IS) gearbeitet und ein fünfjähriges Mädchen verdursten lassen haben - vor dem Oberlandesgericht (OLG) München hat am Dienstag der Prozess gegen die Frau begonnen. Sie will sich allerdings vorerst nicht zu den Vorwürfen äußern, wie ihre Anwältin sagte. Außer einem leisen "Nein", als sie danach gefragt wurde, ob sie einen Beruf gelernt hat, sagte sie kein Wort. Die 27-Jährige ist unter anderem wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in der ausländischen terroristischen Vereinigung IS sowie einer Kindstötung angeklagt.

Mutter des toten Mädchens will aussagen

Nach der Verlesung der Anklage wurde der Prozess bis zum 29. April unterbrochen. Laut Bundesanwaltschaft wurde die Mutter des getöteten Mädchens erst vor wenigen Wochen ausfindig gemacht und vernommen. Darüber gebe es umfangreiches Aktenmaterial. Um ein faires Verfahren für alle Prozessbeteiligten zu gewährleisten, wurde der Prozess deshalb verschoben. Die Mutter des Mädchens ist außerdem als Nebenklägerin zu dem Verfahren zugelassen und wird unter anderem von der Menschenrechtsanwältin Amal Clooney vertreten. Die Vorwürfe gegen die Angeklagte könnten sich noch einmal zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit verschärfen.

Erste inhaftierte deutsche IS-Heimkehrerin

Der Prozess in München ist der erste gegen eine IS-Anhängerin nach ihrer Heimkehr nach Deutschland. Laut der jesidischen Organisation Yazda soll es zudem die erste Anklage wegen Straftaten von IS-Mitgliedern gegen die religiöse Minderheit der Jesiden sein. Jennifer W. war im Juni 2018 im Regierungsbezirk Schwaben (Bayern) festgenommen worden. Im Zuge der Ermittlungen war auch die Wohnung der 27-Jährigen in Lohne durchsucht worden. Die Angeklagte soll einem verdeckten Ermittler in einem verwanzten Auto von der Tat berichtet haben. Auf diesen Aussagen beruhte die Anklage bislang.

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"Sittenwächterin" mit Kalaschnikow

Im September 2014 soll die Frau laut Anklage in den Irak gereist sein. Dort soll sie vom IS dafür bezahlt worden sein, als sogenannte Sittenwächterin die Kleidervorschriften des IS zu kontrollieren. Zur Einschüchterung sei sie mit einer Kalaschnikow und einer Pistole bewaffnet und mit einer Sprengstoffweste ausgerüstet gewesen, so die Bundesanwaltschaft.

Fünfjährige als Sklavin gehalten

Mit ihrem Mann soll sie im Sommer 2015 aus einer Gruppe von Kriegsgefangenen heraus ein fünf Jahre altes Mädchen gekauft haben. Das Kind sei von dem Paar als Sklavin im Haushalt gehalten worden. Weil das Kind krank wurde und deswegen ins Bett machte, habe der Mann das Mädchen draußen angekettet und es unter sengender Sonne verdursten lassen. W. soll ihren Mann gewähren lassen und nichts zur Rettung des Mädchens unternommen haben. Die Angeklagte hat selbst eine kleine Tochter. Auf Fragen zu dem Kind sagte ihr Anwalt lediglich: "Sie lebt bei ihrer Oma und ihr geht es gut."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 13.09.2021 | 10:00 Uhr

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