Stand: 05.06.2019 20:22 Uhr

Högel: Verteidiger fordern Freispruch in 31 Fällen

Am Donnerstag könnte das Urteil gegen Niels Högel fallen. Dem ehemaligen Krankenpfleger wird 100-facher Mord an Patienten vorgeworfen.

Im Mordprozess gegen Ex-Krankenpfleger Niels Högel hat die Verteidigung für 55 Fälle eine Verurteilung wegen Mordes und für 14 Fälle wegen versuchten Mordes gefordert. In 31 Fällen verlangte sie einen Freispruch. Als Gesamtstrafe sei eine lebenslange Freiheitsstrafe zu verhängen, forderten die Anwältinnen in ihrem Plädoyer am Landgericht Oldenburg. Auch Högel selbst äußerte sich. Er entschuldigte sich erneut bei den Angehörigen der Opfer und seinen Kollegen für das "unfassbare Leid", das er ihnen zugefügt habe. Morgen will Richter Sebastian Bührmann das Urteil verkünden.

Verteidigung: Högel nicht für mögliche Taten verurteilen

"Weder wir noch Herr Högel leugnen, dass er in vielen Fällen der Täter ist. Dennoch kann er nur für Taten verurteilt werden, die er begangen hat und nicht für Taten, die er begangen haben könnte", sagte Verteidigerin Ulrike Baumann in ihrem Plädoyer. Maßgebend für die Einschätzung der Anwältinnen waren eigenen Angaben zufolge die Gutachten und die Aussagen ihres Mandanten. In den Fällen, in denen die Exhumierungen kein eindeutiges Ergebnis erbracht hätten, hätten sie auf Freispruch plädiert. In den Fällen, die Högel gestanden habe, auf versuchten Mord.

Videos
02:59
Hallo Niedersachsen

Högel-Prozess: Lebenslange Haft gefordert

16.05.2019 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen

Der größte Mordprozess der deutschen Nachkriegszeit geht in die Zielgerade. Im Oldenburger Landgericht haben die Plädoyers gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel begonnen. Video (02:59 min)

Angeklagter: "Reue und Scham tägliche Begleiter"

Der Angeklagte sagte in seinem Schlusswort, dass er während des Prozesses nicht jedem die erhoffte Antwort habe geben können. Dies tue ihm leid. Seine Motive könne er inzwischen nicht mehr nachvollziehen. "Reue und Scham sind meine täglichen Begleiter", sagte Högel. Zudem sagte der 42-Jährige, dass die Menschen aufgrund seiner Geschichte nicht das Vertrauen in Krankenpfleger verlieren sollten.

Staatsanwaltschaft fordert Freispruch in drei Fällen

Die Staatsanwaltschaft will Högel für 97 Morde an den Krankenhäusern Delmenhorst und Oldenburg zur Verantwortung ziehen. Sie fordert - ebenso wie die Anwälte der Nebenkläger - eine lebenslange Freiheitsstrafe. Ursprünglich waren Högel 100 Morde zur Last gelegt worden. In den Medien war vom "größten Mordprozess der Nachkriegsgeschichte" die Rede. Weil die Staatsanwaltschaft in drei Fällen keine eindeutigen Beweise für eine Mordtat sah, plädierte sie in diesen Fällen auf Freispruch. In den übrigen Fällen hält die Staatsanwaltschaft es für erwiesen, dass Högel Herzstillstände bei den Patienten herbeiführte, um sich in der Reanimation zu beweisen. Högel hatte vor Gericht 43 Taten eingeräumt und fünf ausdrücklich bestritten. Für die übrigen 52 Taten gab er an, sich nicht erinnern zu können. Er schloss in diesen Fällen aber auch nicht aus, die Patienten getötet zu haben. Högels mutmaßliche Opfer waren zwischen 34 und 96 Jahre alt. Die Fälle sollen sich in den Jahren 2000 bis 2005 ereignet haben.

Gericht entscheidet über Schwere der Schuld

Högel war in früheren Prozessen schon zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Seit 2009 sitzt er im Gefängnis. In dem jetzt erwarteten Urteil soll eine Gesamtfreiheitsstrafe gebildet werden. Sollte das Landgericht Oldenburg eine besondere Schwere der Schuld feststellen, könnte Högel nur in Ausnahmefällen - etwa bei schwerer Krankheit - nach 15 Jahren freikommen. Zusätzlich eine Sicherungsverwahrung anzuordnen hat in seinem Fall keinen Effekt, wie das Landgericht erklärte. Werde die besondere Schwere der Schuld festgestellt, könne Högel ohnehin erst entlassen werden, wenn er keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellt.

Hintergrund

Die "Karriere" eines Serienmörders

Mehr als 100 Patienten soll Niels Högel als Krankenpfleger an Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst getötet haben. Seine Taten kamen erst nach und nach ans Licht. Eine Chronologie. mehr

Multimedia-Doku

Niels Högel: Die Morde eines Krankenpflegers

Niels Högel soll mehr als 100 Patienten getötet haben. Die wohl größte Mordserie der Nachkriegszeit, begünstigt von beispiellosem Versagen. Eine Multimedia-Doku, optimiert für Desktop-Nutzung. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 05.06.2019 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

04:14
Hallo Niedersachsen
03:12
Hallo Niedersachsen