Stand: 06.03.2019 06:36 Uhr

"Glory Amsterdam": Abschlussbericht wird vorgestellt

Die "Glory Amsterdam" strandete Ende Oktober 2017 vor Langeoog. Abgeschleppt wurde sie erst Tage später.

Eigentlich sollte der Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung (BSU) zu einer Havarie ein Jahr nach dem Unglück vorliegen. Im Fall des Frachters "Glory Amsterdam" hat es deutlich länger gedauert. Die BSU hat sich Zeit gelassen, denn in ihren Bericht werden hohe Erwartungen gesetzt: Noch sind viele Fragen offen. Heute wird der Bericht in Hamburg vorgestellt.

Frachter konnte tagelang nicht geborgen werden

Am 29. Oktober 2017 hatte sich die "Glory Amsterdam" während eines Sturms von ihrem Ankerplatz vor Helgoland losgerissen. Sie trieb rund zwölf Stunden über das Meer, mehrere Abschleppversuche scheiterten. Zwei Kilometer vor Langeoog strandete das Schiff auf einer Sandbank. Geladen hatte der Frachter zwar nichts, doch an Bord waren fast 2.000 Tonnen Treibstoff, überwiegend Schweröl. Vor Ort wuchs die Angst vor einer Ölpest. Tage später pumpte das Bergungsteam etwa 16.000 Tonnen Ballastwasser aus dem Schiff ab. Auf diese Weise konnte es aufschwimmen und ins Tiefwasser gezogen werden. Danach wurde die "Glory Amsterdam" schließlich nach Wilhelmshaven geschleppt.

Vorwürfe gegen Behörden

Nach dem langwierigen Einsatz mussten sich die Verantwortlichen einiges anhören. Es gab Kritik am Umgang der Behörden mit der Havarie, Vorwürfe gegen das Havariekommando in Cuxhaven - diese wurden von dort entschieden zurückgewiesen. Das Havariekommando stellte jedoch in der Folge einen Elf-Punkte-Plan mit Verbesserungsvorschlägen vor. Nach der Frachter-Havarie wurde außerdem über Pannen spekuliert, sogar über eine mögliche Sabotage der Rettungsarbeiten durch die Besatzung des Frachters - eine Rettung ist für die Reederei deutlich teurer als eine Strandung. Ein Verfahren gegen den Kapitän der "Glory Amsterdam" wurde aber eingestellt.

Bericht wird keine Schuldigen benennen

Die Ursache für die Havarie dürfte nun mit dem Abschlussbericht der Bundesstelle geklärt werden. Doch betrifft das auch die Frage, wer die Verantwortung für das Debakel trug? Der Abschlussbericht werde keine Schuldigen benennen, hatte BSU-Direktor Ulf Kaspera schon Ende Oktober 2018 anlässlich des Zwischenberichts zur Havarie gesagt. Das sei nicht Aufgabe der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung.

Weitere Informationen

"Glory Amsterdam": Zuerst ein Zwischenbericht

Die Havarie der "Glory Amsterdam" ist ein Jahr her. Der Abschlussbericht der Bundesstelle für Seeunfalluntersuchung steht noch aus. Langeoogs Bürgermeister ist enttäuscht. (29.10.2018) mehr

Nordsee-Anrainer wollen besseres Havarie-Konzept

Bald dürften die ersten Herbststürme die Deutsche Bucht erreichen. Nach der Havarie der "Glory Amsterdam" vergangenen Oktober fordern die Anrainer-Landkreise ein besseres Havariekonzept. (13.09.2018) mehr

Bund sagt mehr Personal für Havariekommando zu

Nach der Havarie der "Glory Amsterdam" vor gut zehn Monaten war die Angst vor Schäden für das Wattenmeer groß. Nun soll das Havariekommando in Cuxhaven offenbar verstärkt werden. (05.09.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.03.2019 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

03:18
NDR//Aktuell
02:33
Hallo Niedersachsen
03:46
Hallo Niedersachsen