Stand: 05.09.2015 18:59 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Fahrender Leuchtturm" feiert 100. Geburtstag

von Nadia Yaqub

Das Feuerschiff "Amrumbank/Deutsche Bucht" ist ein Relikt einer längst vergangenen Epoche der Seefahrt - und ein Wahrzeichen der Stadt Emden obendrein. Grund genug, den 100. Geburtstag des Kreuzers groß zu feiern. Der Geburtstag der "alten Dame" begann am Freitag - dazu kamen auch zwei weitere Feuerschiffe in Emden an: die "Borkumriff" und die "Elbe 1". Neben einem großen Feuerwerk am Freitagabend, gab es auch am Sonnabend Programm: Eine Hafenrundfahrt startete um 14 Uhr, die Bordparty um 18 Uhr und am späteren Abend fand eine "Wasserorgel-Show" des Technischen Hilfswerks Osnabrück statt.

Einsatz als "fahrender Leuchtturm"

Als "fahrender Leuchtturm" warnte das Schiff bei Wind und Wetter vor Gefahren und setzte Wetterdaten und Wellenhöhen ans Festland ab. Bis 1939 erfüllte es diese Aufgaben vor der Westküste Schleswig-Holsteins, westlich der Insel Amrum. Diese Position wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgegeben und das 1915 in der Papenburger Meyer Werft gebaute Schiff fortan an wechselnden Orten in der deutschen Küstenregion eingesetzt. Seine endgültige Lackierung erhielt es 1969, als es an der Position "Deutsche Bucht" bei Helgoland vor Anker ging, dem wichtigsten Verkehrsknotenpunkt der deutschen Tiefwasserwege.

Batterien-Wasser gegen den Durst

An diese Zeit kann sich Karl Jost, das letzte lebende Besatzungsmitglied der "Amrumbank", noch gut erinnern: "Der Alltag an Bord war öde, wir tranken täglich Schnaps", gesteht der 80-Jährige. Heute übernehmen unbemannte und per GPS gesteuerte Seezeichen diese Arbeit. Bis 1983 jedoch wechselte eine zwölfköpfige Crew im 14-tägigen Rhythmus Koje gegen Festland. Der gelernte Klempner aus Wilhelmshaven erlebte damals mehrere Schieflagen auf hoher See: Jost erinnert sich an ein heftiges Unwetter, bei dem er zwei Tage lang allein im Maschinenraum eingeschlossen war. Es sei zu gefährlich gewesen, den Trakt über das Deck zu verlassen: "Die Wellen schlugen 15 Meter hoch, das Schiff mit dem hohen Leuchtfeuer-Mast lag schief auf dem Meer", so Jost. Am Ende trank der Vater von acht Kindern das destillierte Wasser aus den Batterien, um nicht zu verdursten.

Durchbruch zum Maschinenraum

Damit Besucher heutzutage in Emder Hafen das Herzstück des Schiffes besichtigen können, hat der Verein Museums-Feuerschiff "Amrumbank/Deutsche Bucht" einen Durchbruch unter Deck zum Maschinenraum geschaffen. Entstanden ist ein Museumsschiff mit Originaltechnik, die sich noch immer an ihrem Ort befindet. "Es steckt viel Herzblut in unserer alten Dame", sagt Heinz-Günther Buß. Zusammen mit einer Gruppe Ehrenamtlicher pflegt er das Schiff. Einmal im Jahr geht es zur Ausfahrt auf See, um die Technik zu überprüfen.

Wer soll das Schiff später pflegen?

Für 18.000 Deutsche Mark hat der Verein das Feuerschiff im Jahr 1984 gekauft. Seither dient es nicht nur als Museum, sondern auch als Restaurant und Zuhause für die Funkamateure. Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen werden über Pacht und Spenden finanziert. Zu tun gibt es immer etwas. Doch Buß sorgt sich vor allem um den Nachwuchs, der das Schiff einmal pflegen soll. Die Technik sei schließlich sehr alt: "Ich hoffe, dass sich irgendwann auch die junge Generation dafür begeistern kann."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 06.01.2020 | 08:00 Uhr

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