Stand: 20.05.2019 15:20 Uhr

Bredo-Werft setzt Ultimatum bei "Gorch Fock"

Im Auftrag der Elsflether Werft repariert die Bremerhavener Bredo-Werft das Segelschulschiff "Gorch Fock". Dass dessen Sanierung alles andere als rund läuft, ist bekannt. Die Kosten sind explodiert, die Elsflether haben Insolvenz angemeldet - und die Bremerhavener bleiben auf ihren Kosten sitzen. Nun droht die Bredo-Werft damit, die "Gorch Fock" als Pfand zu behalten: Sollten bis zum 21. Juni nicht die geforderten 4,3 Millionen Euro ausgezahlt werden, werde das Schiff nicht freigegeben, bestätigte der Geschäftsführer der Werft, Dirk Harms, gegenüber NDR 1 Niedersachsen: "Dann machen wir von unserem Sonderpfandrecht Gebrauch."

Streit über Altschulden

Die Bredo-Werft ist der größte Gläubiger der insolventen Elsflether Werft. Diese sieht jedoch keinen Grund, für die Altschulden der ehemaligen Vorstände aufzukommen. Dazu gehören auch die ausstehenden Millionen für die Bredo-Werft. Auch die Marine sieht sich nicht in der Pflicht. Ein Gespräch zwischen allen Beteiligten war ergebnislos verlaufen.

Werft: Der Rumpf gehört uns

Im März hatte der Bredo-Geschäftsführer laut Bericht einem Bericht des "Spiegels" eine Liste mit Forderungen an das Ausrüstungsamt der Bundeswehr in Koblenz gesandt. Dieser zufolge hatte die Elsflether Werft ausstehende Rechnungen in Höhe von 11,3 Millionen Euro nicht beglichen. Da ein Insolvenzverfahren läuft, müsste die Werft, ebenso wie die anderen Gläubiger, dieses eigentlich abwarten. Doch aus Bremerhaven kommen zwei Argumente dagegen: Durch die fehlenden Zahlungen sei man selbst in Gefahr, zahlungsunfähig zu werden, und zudem habe die Bredo-Werft einen Großteil des Schiffs neu gebaut. Deshalb "meinen wir, dass der von uns hergestellte, leere, nicht schwimmfähige Kasko unserem Hause gehört, bis wir vollständig bezahlt sind", zitiert der "Spiegel" aus dem Schreiben an das Ausrüstungsamt.

Kompromiss in Bremen geschlossen

Dass für den Moment "nur" noch 4,3 Millionen Euro gefordert werden, gegen deren Zahlung das Schiff freigegeben werden soll, ist das Ergebnis vermittelnder Gespräche - offenbar waren es hitzige Debatten, wie das Magazin schreibt. Wirtschaftspolitiker aus Bremen und Niedersachsen hätten sich am Dienstag vergangener Woche mit den Chefs der Werften in der Bremer Wirtschaftsbehörde getroffen. Man sei übereingekommen, dass die Bredo-Werft einen legitimen Anspruch auf 4,3 Millionen habe und die "Gorch Fock" im Fall von Zahlungen in dieser Höhe ausdocken werde.

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Muss die Bundeswehr doppelt zahlen?

Die Frage ist, ob der Auftraggeber der Schiffssanierung am Ende bereit sein wird, doppelt zu zahlen: Die Bundeswehr hatte der Elsflether Werft bereits Millionen überwiesen. Die hat die Werft aber nicht nach Bremerhaven weitergeleitet. Nun müsste die Bundeswehr, um die Bredo-Werft zufriedenzustellen, erneut viel Geld investieren. Es geht um drei Millionen Euro, die direkt von den Streitkräften an die Bredo-Werft gehen sollen. Die Bundeswehr lehnt dies laut "Spiegel" ab. Bremens Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) fürchtet jedoch, dass eine Insolvenz der Bredo-Werft eine Kettenreaktion zur Folge hätte. "Der Bund hat eine Verantwortung gegenüber der Werft und sollte die drei Millionen Euro ohne Auflagen auszahlen", sagte Günthner dem Magazin.

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Das Schulschiff der Marine, die "Gorch Fock", läuft unter Segeln über die Kieler Förde zu. © dpa-Bildfunk Foto: Carsten Rehder

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.05.2019 | 17:00 Uhr

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