Stand: 21.02.2018 18:49 Uhr

Geht die Ems den Bach runter?

von Vanessa Meyer
Die Überführung der Meyer-Schiffe ist immer ein Spektakel wie hier 2011 mit der "Celebrity Silhouette". Doch der Fluss leidet.

In wenigen Wochen wird die Meyer Werft wieder für ein Spektakel sorgen: Die Überführung der "Norwegian Bliss" über die Ems zur Nordsee steht an. Voraussichtlich werden wieder Tausende an den Ufern und auf den Deichen entlang der Ems stehen, um das neueste Kreuzfahrschiff der Papenburger in seinen Dimensionen zu bestaunen. Unter ihnen wird auch Hajo Rutenberg sein. Aber nicht um zu staunen, sondern um zu protestieren. Seit zehn Jahren schon warnen Rutenberg und seine Bürgerinitiative (BI) "Rettet die Ems" vor dem Kollaps des Flussgebietes. Früher noch zusammen mit BUND, Nabu und WWF. Doch diese drei Verbände arbeiten seit knapp drei Jahren im "Masterplan Ems 2050" mit, ein Zusammenschluss aus Politik, Wirtschaft, regionaler Verwaltung und eben diesen Umweltgruppen, die sich den Titel von Rutenbergs BI auf die Fahnen geschrieben haben. Für die lokalen Ems-Schützer ist das Gremium allerdings ein rotes Tuch. Rutenberg spricht von "Placebo-Effekten", "Hinhaltetaktik" und "Fahrlässigkeit". Kurzum: Er hält den "Masterplan" für sinnlos, die Kreuzfahrtschiffe müssten weg, das sei die einzige Rettung. Die Vertreter des "Masterplans" weisen das vehement zurück und betonen erste Erfolge und Maßnahmen, die ergriffen wurden, um der Ems zu helfen. Es steht Aussage gegen Aussage.

Ein abgebrochenes Landstück an der Ems. © NDR

Sorgen an der Ems: Wenn die Meyer-Schiffe kommen

Jede Überführung der Kreuzfahrtriesen der Meyer Werft hat beträchtliche Auswirkungen auf die Ems. Landwirt Albert Smidt muss hoffen, dass seine Tiere beim Stauen nicht absaufen.

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Das Problem des Flusses

Programmtipp

Die nordstory - Die Unterems

Die nordstory ist dabei, als ein Kreuzfahrtschiff auf der Ems auf die Reise geht und zeigt aus unterschiedlichen Perspektiven, wie die Menschen mit der Überführung umgehen und wie sie ihr Leben beeinflusst. Im NDR Fernsehen am 9. März um 20.15 Uhr mehr

Der katastrophale Zustand der Ems ist unumstritten. Zu wenig Sauerstoff, dafür zu viel Salz und Stickstoff zerstören den Lebensraum für Fische, Kleintiere und Vögel, vor allem im Sommer gibt es teilweise vollkommen sauerstofffreie Zonen. Die Hauptursache: große Mengen an Schlick, also Schwebstoffe mineralischer oder organischer Art, die das Wasser stark trüben. Als der Fluss in den letzten Jahrzehnten immer stärker begradigt und vertieft wurde, fielen die natürlichen Ablagerungsstätten für den Schlick weg. Außerdem haben sich durch diese Umformungen die Gezeiten Ebbe und Flut drastisch verschoben. Die Folge: Weil der Fluss immer gerader und tiefer wurde, ist die Flutwelle, die hereinströmt, immer schneller geworden und läuft in immer kürzerer Zeit bis zur Grenze des Tideeinflusses in Herbrum. Dadurch wird sehr viel Schlick auf einmal in die Ems gespült. Der Ebbstrom ist jedoch viel langsamer und verläuft gleichmäßiger und kann den Schlick in seiner großen Menge nicht wieder heraustragen - er bleibt größtenteils in der Ems. Um einen reibungslosen Schiffsverkehr - auch für die Meyer-Werft-Schiffe - zu ermöglichen, muss er deshalb jährlich aufwendig, finanziert mit einem Millionenbetrag weggebaggert werden.

Ein Masterplan als Rettung?

Lange forderte die BI "Rettet die Ems" zusammen mit BUND, Nabu und WWF die Renaturierung des Flusses, seinen zumindest teilweisen Rückbau in den alten Flussverlauf. Es geschah aber von politischer Seite nichts. Bis die Europäische Union mit Strafgeldern drohte, wenn Deutschland nicht in Sachen Ems endlich handelt. Das Ergebnis ist der im März 2015 ins Leben gerufene "Masterplan Ems 2050", in dessen Arbeitsgruppen Vertreter von Land, Kommunen, Häfen, Umweltverbänden und der Meyer Werft gemeinsam einen Kompromiss finden sollen. Einen Kompromiss von ökologischen und ökonomischen Interessen. Die Ems soll als Verkehrsstraße und wichtiger Wirtschaftsstandort erhalten bleiben, das Umwelt- also vor allem Schlickproblem soll beseitigt und außerdem soll es mehr und effektiveren Vogelschutz geben. Die BI um Rutenberg sieht hier einen klaren Zielkonflikt. Umwelt und Natur schützen und gleichzeitig der Wirtschaft nicht schaden, sei utopisch. Sie kritisiert auch, dass ein privater Unternehmer, die Meyer Werft, darüber entscheidet, wie die Steuergelder für den Masterplan Ems eingesetzt werden. Die "Masterplan"-Mitstreiter sehen das anders.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

die nordstory | 09.03.2018 | 20:15 Uhr

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