Stand: 12.10.2016 08:13 Uhr

800 Holztäfelchen gegen Meeresmüll

von Matthias Schuch

Mehrere Hundert Holztäfelchen schwimmen seit Dienstagvormittag in der Nordsee. Auf den ersten Blick sehen die Driftkörper mehr nach einem Schülerprojekt aus dem Werkunterricht aus, nicht wie Instrumente zur ernsthaften Forschung: Ein dünnes Brettchen aus hellem Fichtenholz, ungefähr so groß wie eine CD-Hülle. Darauf eingebrannt ist ein kurzer Text. Eine Seite auf Deutsch: "Helfen Sie mit, die Verbreitung von Meeresmüll zu erfassen. Bitte melden Sie die Nummer und den Fundort dieses Drifters an die Uni Oldenburg unter www.macroplastics.de", auf der Rückseite auf Englisch. Doch das schlichte Design der Holztäfelchen täuscht. Mehr als 100.000 von ihnen wollen Wissenschaftler der Universität Oldenburg in den kommenden Jahren an ausgesuchten Stellen aussetzen, um dann zu beobachten, wann und wo sie wieder angeschwemmt werden.

Forschungsobjekt: Makroplastik

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Hier wurden die ersten Drifter in die Nordsee gesetzt.

Die Idee hinter dem groß angelegten Feldexperiment ist denkbar einfach - die Forscher erhoffen sich, mithilfe dieser Drifter feste Routen bestimmen zu können, auf denen größere und kleinere schwimmende Teile auf der Nordsee treiben. Das Holz ist dabei nur ein umweltverträglicher Stellvertreter für das eigentliche Forschungsobjekt: Makroplastik - oder anders ausgedrückt - schwimmender Plastikmüll. Kunststoffbecher, alte Netzreste, Einkaufstüten - die unglaublichen Mengen an Zivilisationsmüll sind schon seit Langem ein Problem in den Weltmeeren, auch und vor allem in der Nordsee. Die Holzplatten sollen nun dabei aufzeigen, wie genau sich der Müll auf beziehungsweise im Meer bewegt.

Großer Datensatz durch Mithilfe erhofft

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Strandspaziergänger könnten bald solche Holztäfelchen finden. Sie dienen der Wissenschaft: Es geht darum, die Verbreitung von Meeresmüll zu erforschen.

Um das immense Ausmaß des Forschungsprojekts überhaupt bewältigen zu können, hoffen die Forscher nun auf die Mithilfe möglichst vieler Menschen an der Küste. Der Wunsch dabei: Wer einen der Drifter am Strand entdeckt, soll ihn über das Internet melden. Mit Datum, Fundort und der individuellen Kennnummer, die auf jedem der Holzplättchen eingebrannt ist. Je größer der Rücklauf, desto genauer soll das Bild werden, das die Forscher am Ende von der Bewegung der Schwimmkörper auf der Nordsee zeichnen können.

Erste Drifter kommen ins Meer

Mitarbeiter des Oldenburger Instituts für Umweltwissenschaften (IBU) und des Instituts für Chemie und Biologe des Meeres (ICBM) haben am Dienstagvormittag die ersten Drifter in der Nordsee ausgesetzt. Insgesamt 800, die von Wilhelmshaven aus ihre Reise in die Nordsee begonnen haben. Doch das soll nur der Anfang ein. Und er ist vor allem eine Frage des Timings - das Aussetzen geht nur bei ablaufendem Wasser, schließlich sollen die kleinen Holzplatten erst einmal mit der Tide hinaus in Richtung offene See getragen werden, bevor sie dann irgendwo wieder angeschwemmt werden.

Ems, Jade und Elbe folgen

Viele Tausend weitere Drifter sollen dann in den kommenden zwei Jahren folgen. Nicht nur in der Jade, sondern an insgesamt 14 verschiedenen Orten: In Ems, Jade und Elbe, auf den Inseln und vor Helgoland, in Ostfriesland und im Elbe-Weser-Dreieck. Wie lange es nach dem Aussetzen dauert, bis die ersten Daten vorliegen, dazu wollen die Forscher noch keine genauen Angaben machen. Doch klar ist, es wird wohl eine Weile dauern - abhängig davon, wie Wind und Wellen die kleinen Bretter treiben, und wie viele von ihnen tatsächlich an die Datenbank gemeldet werden.


12.10.2016 08:13 Uhr

Hinweis der Redaktion: Wegen Nachfragen in den Kommentaren haben wir unseren Text ergänzt. Auf der Rückseite der Holztäfelchen ist der eingebrannte Text auf Englisch zu lesen.

 

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 11.10.2016 | 19:30 Uhr

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