Stand: 01.02.2018 21:16 Uhr

Umstrittener Bürgermeister Scharf bleibt im Amt

von Björn Ahrend
Lüneburgs Bürgermeister Gerhard Scharf (CDU) hat sich bei der Stadtrats-Sitzung für seine Äußerungen entschuldigt.

Die Stadtverwaltung von Lüneburg hatte mit großem Andrang gerechnet und die Sitzung des Stadtrates in eine Schulaula verlegt. Doch selbst die war zu klein. Viele der mehr als 200 Zuschauer drinnen mussten stehen, andere drängten sich auf Podesten oder saßen auf dem Boden. Noch einmal knapp 100 Menschen verfolgten die Geschehnisse durch die Scheiben von draußen. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte Stadtsprecherin Suzanne Moenck.

Zuschaueransturm wegen Stellungnahme

Der Grund für den Besucheransturm: die persönliche Erklärung des ehrenamtlichen Bürgermeisters Gerhard Scharf (CDU). Dessen Äußerungen in einem Youtube-Video eines rechten Bloggers Anfang des Jahres hatten für viel Kritik gesorgt. Wissenschaftler der Leuphana Universität Lüneburg hatten den Rücktritt Scharfs gefordert, weil er verbrecherische Taten der Wehrmacht verharmlost haben soll. Die Linke hatte vor der Ratssitzung einen entsprechenden Antrag gestellt.

"Hätte vehement widersprechen müssen"

Doch der Antrag scheiterte. Zwar votierten in geheimer Wahl 17 Ratsmitglieder für Scharfs Abberufung, 22 hätten es jedoch sein müssen. Zuvor hatte sich der 78-Jährige für seine Aussagen in dem Video entschuldigt. "Ich hätte den Andeutungen, die eindeutig aus der rechten Ecke kamen, unmissverständlich und vehement widersprechen müssen", so Scharf. So wie er sollte der Repräsentant einer Stadt nicht reagieren, ergänzte er. Scharf wandte sich ausdrücklich an die Vertreter der Lüneburger Geschichtswerkstatt und der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes: "Ich bedauere, dass der Eindruck entstanden ist, ich würde dieses Engagement schmälern."

"Untragbar und teilweise schlicht falsch"

Zuvor hatte der SPD-Ratsherr Friedrich von Mansberg die Äußerungen des ehrenamtlichen Bürgermeisters als "untragbar und teilweise schlicht falsch" bezeichnet. Rainer Mencke von der CDU nahm seinen Parteikollegen Scharf hingegen in Schutz: "Er ist auf den Blogger reingefallen, hat sich ins Gespräch verwickeln lassen und wurde aufs Glatteis geführt." Viele Besucher quittierten dies mit ungläubigem Gemurmel, ansonsten blieb die Atmosphäre im Saal während der Diskussion ruhig.

Enttäuschung über verfehlte Abwahl

Der Vorsitzende der Linken-Fraktion, David Amri, reagierte enttäuscht, dass Scharf im Amt bleibt: "Die Entschuldigung reicht nicht. Sie war sehr allgemein formuliert und die berechtigte Kritik an seinen Äußerungen konnte er nicht glaubwürdig entkräften", sagte Amri. Über einen zweiten Antrag der Linken, die als Reaktion auf die Debatte um Scharf ein "Forum Lüneburger Erinnerungskultur" einrichten will, soll im Kulturausschuss der Stadt entschieden werden.

Videoblogger auch anwesend

Der Großteil der Besucher bekam das schon gar nicht mehr mit. Kaum war das Abstimmungsergebnis verkündet, verließen die meisten Zuschauer die Sitzung. Unter ihnen war auch der rechte Blogger selbst, dessen Video die Diskussion in Gang gesetzt hatte.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 02.02.2018 | 06:30 Uhr

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