Ein Angeklagter befindet sich in einem Gerichtssaal. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Dreifachmord von Bispingen: Richter verliest "Geständnis"

Stand: 24.11.2021 20:02 Uhr

Ein 35 Jahre alter Mann muss sich vor dem Landgericht Lüneburg unter anderem wegen dreifachen Mordes verantworten. Er soll seine Freundin und deren Kinder (11, 4) im Mai im Heidekreis getötet haben.

Am zweiten Verhandlungstag am Mittwoch rückte ein besonderes Beweisstück in den Mittelpunkt. Der Richter verlas einen unterschriebenen Brief, bei dem es sich um das schriftliche Geständnis des Mannes handeln soll. Ein Mithäftling des Angeklagten soll das Schriftstück in einem Zellenspind des Angeklagten gefunden und an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet haben. Der Verteidiger wollte kurzfristig verhindern, dass der Brief mit der Überschrift "Geständnis" öffentlich verlesen wird. Die Kammer lehnte den Antrag ab.

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Nach Streit in Mordrausch verfallen

In dem Brief gibt der Angeklagte zu, die Mutter sowie deren Sohn und Tochter umgebracht zu haben. Demnach habe er mit seiner damaligen Lebensgefährtin am Nachmittag und Abend vor der Tat reichlich Alkohol getrunken. Dabei sei es zu einem Streit gekommen. Die Frau soll ihn einen Versager genannt und ihm ins Gesicht geschlagen haben. Er habe das Haus verlassen, sei wenige Stunden später aber zurückgekehrt. "Ich war voller Wut, habe Rot gesehen, bin in einen Mordrausch verfallen", steht in dem Schriftstück.

Angeklagter googelte "erwürgen"

Von sexuellem Missbrauch oder einer Vergewaltigung, die dem Mann von der Staatsanwaltschaft ebenfalls vorgeworfen werden, ist in dem Brief keine Rede. Dafür sagte ein Polizeibeamter aus. Auf dem Handy des Angeklagten habe es gewaltpornografische Darstellungen gegeben, zudem habe er Wörter wie "erwürgen" im Netz gesucht. Es habe zudem in der Vergangenheit eine Auseinandersetzung zwischen ihm und der Frau gegeben. In einer Whatsapp-Nachricht warf diese ihm vor, sie zu stark gewürgt zu haben.

Angeklagter schweigt weiter

Erheblich verkürzen wird dieses "Geständnis" den Prozess wohl nicht. Denn der Angeklagte schweigt weiter. Der Vorsitzende Richter gab dem 35-Jährigen nach der Verlesung des Briefs die Möglichkeit, sich zu äußern und redete ihm ins Gewissen. Der Mann machte weiterhin von seinem Schweigerecht Gebrauch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Lüneburg | 24.11.2021 | 16:30 Uhr

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