Stand: 24.10.2018 15:11 Uhr

Fall Högel: Landtag verschärft Krankenhausgesetz

Bild vergrößern
Der Landtag hat als Konsequenz aus dem Fall Niels Högel das Krankenhausgesetz verschärft.

Wenige Tage vor Beginn des Prozesses wegen hundertfachen Mordes gegen den ehemaligen Krankenpfleger Niels Högel hat der Niedersächsische Landtag einstimmig eine Novellierung des Krankenhausgesetzes beschlossen. Als Konsequenz aus der Mordserie an den Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst sollen an allen Krankenhäusern Stationsapotheker und klinikinterne Arzneimittelkommissionen eingesetzt werden. Auf diese Weise soll der Missbrauch von Medikamenten wie im Fall Högel verhindert werden. Das Gesetz tritt 2019 in Kraft.

Neues Krankenhausgesetz verabschiedet

Neues Krankenhausgesetz verabschiedet

Hallo Niedersachsen -

Im Landtag ist ein neues Krankenhausgesetz verabschiedet worden. Es soll verhindern, dass sich eine Mordserie wie die des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel wiederholen kann.

4,25 bei 4 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Parteiübergreifende Zustimmung

"Das Gesetz wird die Patientensicherheit deutlich erhöhen", sagte Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD). Durch die Stationsapotheker werde das Risiko von versehentlichen oder vorsätzlichen Behandlungsfehlern gesenkt. Zustimmung gab es auch von der Opposition. "Wir werden in Niedersachsen Vorreiter in Sachen Patientensicherheit", betonte Meta Janssen-Kucz (Grüne). "Ich bin zuversichtlich, dass wir ein Vorbild für andere Bundesländer und den Bund werden." Die FDP-Abgeordnete Silvia Bruns lobte ebenfalls die Verschärfung des Gesetzes, äußerte aber Bedenken hinsichtlich der Finanzierung. Die Einsparpotenziale an den Kliniken seien ausgeschöpft, die Misere in der Pflege dürfe sich nicht verschärfen, betonte sie.

Stationsapotheker an jeder Klinik

Die im neuen Krankenhausgesetz vorgeschriebenen Stationsapotheker sollen die Ausgabe von Medikamenten dokumentieren und das Personal bei der medikamentösen Therapie beraten. Laut Gesundheitsministerium werden Stationsapotheken bislang erst an 17 der insgesamt 178 Krankenhäuser in Niedersachsen betrieben. Die anderen werden zentral mit Medikamenten beliefert. Mit Apotheken in Krankenhäusern soll ein ungewöhnlich hoher Verbrauch von Arzneimitteln schneller auffallen.

Anonymes Fehlermeldesystem wird Pflicht

Außerdem sollen Todesfälle und Komplikationen künftig in regelmäßigen Konferenzen von den leitenden Ärzten und Chefs der Krankenpfleger analysiert werden. Das Gesetz sieht darüber hinaus ein anonymes Fehlermeldesystem vor. Klinikmitarbeiter können sich auf diesem Weg äußern, wenn sie Hinweise auf fehlerhaftes oder kriminelles Verhalten haben.

Krankenhausgesellschaft sieht Gesetz kritisch

Während die Apothekerkammer Niedersachsen die Einführung von Stationsapothekern unterstützt, warnt die Krankenhausgesellschaft vor zusätzlichen Kosten vor allem für kleinere Häuser. Es könne zudem nicht die Aufgabe von Apothekern sein, auf die Suche nach Mördern zu gehen oder Pillen zu zählen, sagte Verbandsdirektor Helge Engelke. Patientenmorde wie im Fall Högel verhindere man auf diese Weise nicht. Nach Ansicht der Krankenhausgesellschaft müssen auf den Stationen weiterhin Medikamente für Pfleger und Ärzte zugänglich sein. Das gelte besonders für Intensivstationen, wo es oft um Sekunden gehe. Außerdem sei das novellierte Gesetz aufgrund des Fachkräftemangels nicht in der geforderten Zeit umzusetzen, so Engelke. Unter den Apothekern herrsche Vollbeschäftigung. Die notwendige Anzahl an Fachkräften sei auf dem Arbeitsmarkt nicht vorhanden. Es müsse der Fachkräftemangel bei den Pflegekräften behoben und nicht ein neuer bei den Stationsapothekern geschaffen werden, betonte Engelke.

Weitere Informationen

Ihr Bauchgefühl brachte die Högel-Morde ans Licht

Der Tod ihrer Mutter im Klinikum Delmenhorst ließ Kathrin Lohmann keine Ruhe: Da stimmte was nicht. Ihre Hartnäckigkeit führte zur Aufdeckung der Mordserie des Krankenpflegers Niels Högel. (28.10.2018) mehr

Der mordende Krankenpfleger - alles zum Prozess

Ende des Monats beginnt in Oldenburg der bundesweit größte Mordprozess der Nachkriegszeit. Ex-Krankenpfleger Niels Högel werden 99 Morde zur Last gelegt - die wichtigsten Fakten zum Fall und zum Prozess. (17.10.2018) mehr

Multimedia-Doku

Niels Högel: Die Morde eines Krankenpflegers

Niels Högel soll mehr als 100 Patienten getötet haben. Die wohl größte Mordserie der Nachkriegszeit, begünstigt von beispiellosem Versagen. Eine Multimedia-Doku, optimiert für Desktop-Nutzung. (27.10.2018) mehr

Nach Fall Niels H.: Kommen bald Stationsapotheker?

Die Landesregierung plant die Einführung von Stationsapotheken in Kliniken, damit die Medikamentenabgabe besser kontrolliert werden kann. Eine Konsequenz aus dem Fall Niels H. (14.02.2018) mehr

Plenarwoche: Landtag beschließt Haushalt 2019

Der Niedersächsische Landtag kommt ab heute zum letzten Mal in diesem Jahr zusammen. Das beherrschende Thema ist der Haushalt für 2019. NDR.de überträgt die Debatten im Livestream. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 24.10.2018 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

00:18
NDR Fernsehen

Warnstreik legt Hauptbahnhof Hannover lahm

10.12.2018 09:45 Uhr
NDR Fernsehen
03:44
Hallo Niedersachsen

Wie wird das jüdische Fest Chanukka gefeiert?

09.12.2018 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen