Stand: 15.03.2020 08:39 Uhr  - Hallo Niedersachsen

Start-Up-Firma entwickelt Desinfektionsmittel

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Mit den 1.000-Liter-Containern beliefert die Firma aus Landesbergen Groß-Unternehmen im In- und Ausland.

Dass seine Entwicklung einmal solch eine große Nachfrage genießen würde, hätte Rainer Döring wohl nicht gedacht. Eigentlich wollte er seinen Jungs nur die schmerzhafte Jod-Behandlung ersparen. Im Kindesalter verletzten sie sich regelmäßig im Pferdestall. Der Vater wollte sie vor Infektionen schützen, doch die Gefahrenhinweise auf der Flasche verunsicherten den Vater. Also stellte sich Döring eine Aufgabe: ein unbedenkliches und zugleich hochwirksames Desinfektionsmittel zu entwickeln. Nach acht langen Jahren der Entwicklung und unzähligen Prüfungen hat sein Mittel im Februar endlich die Zulassung der Europäischen Chemikalien-Agentur (ECHA) in Helsinki bekommen. Es ist demnach nicht nur offiziell frei von petrochemischen Inhaltsstoffen, sondern auch noch wirksam gegen Viren und Bakterien - auch gegen das Coronavirus, versichert Döring.

Ein Desinfektionsmittel ohne Petrochemie

Hallo Niedersachsen -

Desinfektionsmittel sind während der Corona-Pandemie stark gefragt. Eine Firma aus Landesbergen hat ein Mittel entwickelt, das ohne gefährliche Inhaltsstoffe wirksam ist.

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Einsatz in Kliniken, Ställen und Verkehrsmitteln

Die Anlage im Landkreis Nienburg läuft beinahe rund um die Uhr. Tag für Tag wird hier eine Menge produziert, die ausreicht, um eine Großstadt wie Hannover einer Komplett-Desinfektion zu unterziehen, sagt Döring. "Haare wachsen Ihnen nicht davon!", scherzt der 58-Jährige. Ansonsten sei das Wundermittel für fast alle Desinfektionsaufgaben zu gebrauchen. Treox, so der Markenname, werde inzwischen in Kliniken, bei Rettungsdiensten, in der Tierhaltung und in Großküchen eingesetzt. Große Verkehrsunternehmen setzten auf seine Entwicklung, um Züge und Flugzeuge zu desinfizieren. Bislang produziert das Unternehmen im Landkreis Nienburg für Großkunden.

Hartnäckigkeit führt zum Erfolg

Und auch für die Hand-Desinfektion könne Treox eingesetzt werden. Trockene und rissige Haut, soll es nach der Anwendung nicht geben. Im Grunde handele es sich um eine Wasser-Salz-Lösung, die durch ein ausgeklügeltes Verfahren elektrisch aufgeladen werde. "Die Idee ist im Grunde alt", verrät Döring. Das Problem habe darin bestanden, dem Gemisch zur notwendigen Stabilität zu verhelfen. "Hätte ich von Chemie eine Ahnung gehabt, hätte ich mich darauf wohl nicht eingelassen", gibt der 58-Jährige in der Rückschau zu. Doch gerade dieses unbedarfte Herangehen hat am Ende wohl zum Erfolg geführt.

Wirksam ohne gefährliche Inhaltsstoffe

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Rainer Döring wollte ein unbedenkliches und schmerzfreies Desinfektionsmittel für seine Kinder entwickeln.

Döring selbst hat keine technische Ausbildung. Seine Karriere klingt eher abenteuerlich: Schule abgebrochen, kaufmännische Ausbildung, Abi auf dem zweiten Bildungsweg, Wirtschaftsstudium in Bielefeld. Für die Entwicklung von Treox dann die hartnäckige Zusammenarbeit mit verschiedenen Chemikern und Physikern. "Viele haben gesagt, es sei nicht möglich, ein wirksames Desinfektionsmittel ganz ohne Petrochemie herzustellen", sagt Döring. Am Ende hat es doch geklappt. "Wir haben solange gefeilt, bis das Eckige rund war", sagt er. Nach der ECHA-Zulassung arbeitet das Landesbergener Unternehmen nun an der medizinischen Zulassung ihres Produktes. Die, so sagen die Unternehmer, sei nicht nur teuer, sondern auch langwierig.

Praxistest bringt neuen Geschäftspartner

Einer den Döring schon vor der offiziellen Zulassung ins Boot holen konnte, ist der Landesbergener Geschäftsmann Ralf Heineking. Eigentlich wollte Döring bei dem Unternehmer in Landesbergen nur Büro- und Produktionsräume mieten. Doch dann rettete er Heineking mit seinem Produkt einen Wanderurlaub. Eine Infektion am Rücken wollte nicht heilen. Ein Wanderrucksack wäre zur Qual geworden. Die Ärzte zogen eine Operation in Betracht. Döring überredete seinen Vermieter, Treox auszuprobieren. Nach vier Tagen war die Wunde verheilt und der Wanderurlaub konnte losgehen.

Idee mündet im Familienbetrieb

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Dennis Heineking hat inzwischen seine ganze Familie eingespannt, um der großen Nachfrage nach Desinfektionsmitteln nachzukommen.

Heineking war von dem Produkt überzeugt und stieg bei Treox ein und machte so die kostspieligen Zulassungs- und Prüfverfahren möglich. Mittlerweile ist so das Geschäft ins Laufen gekommen. Heinekings Söhne Dennis und Marc arbeiten inzwischen gemeinsam mit Döring in der Geschäftsführung. Die Begeisterung des Teams für sein Produkt ist spürbar. Die Männer sind mit Leidenschaft dabei. Dörings Projekt ist zu einem Familienunternehmen geworden.

Coronavirus bringt Nachfrage aus China

Die Nachfrage ist groß - vor wenigen Wochen kaufte ein Kunde aus China das komplette Lager leer. "Unsere Anwendung ist eigentlich ausgerichtet auf die Industrie", sagt Dennis Heineking. Aus der Corona-Krise wolle man keinen Profit schlagen. "Solange wir unsere Rohstoffe zu den gleichen Preisen beziehen, werden wir unser Desinfektionsmittel nicht verteuern", verspricht der 31-Jährige. Erst einmal gehe es jetzt darum, den Bedarf für Pflegeheime und Rettungsdienste zu decken.

Interesse der Landesregierung geweckt

Auch die Politik in Niedersachsen reagiert auf das Angebot der Unternehmer aus Landesbergen. Ministerpräsident Stephan Weil hat einen Besuch in Landesbergen im vergangenen Jahr noch in guter Erinnerung. "Das war wirklich beeindruckend", sagt der SPD-Politiker. "Das Sozialministerium ist dabei, mit dem Unternehmen Kontakt aufzunehmen", sagte der Regierungschef am Freitag. "Wir werden als Landesregierung sehr gern auf diese Unterstützung aus dem Landkreis Nienburg zurückgreifen."

 

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Hallo Niedersachsen | 15.03.2020 | 19:30 Uhr

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