Stand: 21.05.2018 17:22 Uhr

Tunesien: Familie aus Hannover wartet auf Ausreise

von Christina von Saß
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Die beiden Töchter von Katharina Schmidt werden beim Verwandten des Vaters in Tunesien festgehalten. Die Mutter will sie zurückholen.

Die tunesischen Behörden hindern Katharina Schmidt und ihre beiden Töchter weiter an der Ausreise. Zwar hätten sie die Pässe zurückerhalten, die ihnen am Sonntag abgenommen worden waren, das Land dürften sie aber weiter nicht verlassen, sagte Schmidt dem NDR. Die Frau aus Hannover war nach Tunesien gereist, um ihre beiden neun und elf Jahren alten Kinder zurück nach Deutschland zu holen. Seit fast drei Jahren hält ihr Ex-Mann sie bei Verwandten in einem tunesischen Bergdorf fest. "Wir hoffen inständig, dass es bald eine Lösung gibt. Die Kinder und ich wollen einfach nur nach Hause nach Hannover", sagte Schmidt dem NDR am Telefon. Die vergangene Nacht hat die Familie an einem geheimen Ort in Tunis verbracht.

Ein Handy-Foto der entführten Kinder in Tunesien.

Nervenkrieg um verschleppte Kinder in Tunesien

Hallo Niedersachsen -

Eine Mutter aus Hannover und ihre beiden Töchter sitzen nach ihrem Ausreiseversuch weiter in Tunesien fest. Dort hatten Verwandte des Ex-Manns seit 2015 die Kinder festgehalten.

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Ausreiseversuch in Absprache mit der Botschaft

Samstagnacht hatte sich der Fall der Familie dramatisch zugespitzt. Schmidt und ihre Töchter wurden am Flughafen von Tunis festgesetzt. Die Familie hatte - in Absprache mit der deutschen Botschaft - versucht nach Deutschland auszureisen. Schmidt verfügt über das alleinige Sorgerecht, sowohl nach deutschem als auch nach tunesischem Recht, und über eine Ausreisegenehmigung. Auch die Botschaft hatte gesagt, dass mit den Dokumenten eine Ausreise möglich sei, sagte Schmidt dem NDR.

"Wir sind völlig am Ende"

"Wir sind völlig am Ende und haben große Angst davor, was jetzt passiert", hatte Katharina Schmidt dem NDR telefonisch mitgeteilt. Die tunesischen Behörden hätten weder die Anwältin der Familie noch Botschaftsmitarbeiter zu ihr durchgelassen. Neben Schmidt und ihren Töchtern waren auch ihre Schwester, ihr Schwager und ein Freund der Familie am Flughafen festgehalten worden. Allen wurden nach Schmidts Angaben die Pässe abgenommen. Wie ihre Schwester sagte, hätten die Behörden am Flughafen die Ausreisegenehmigung nicht anerkannt. Das Auswärtige Amt in Berlin teilte mit, dass die Botschaft in Tunis mit den zuständigen Behörden in Kontakt stehe.

Töchter bei Verwandten festgehalten

Schmidts Ex-Mann Kais B. sitzt bereits in Niedersachsen wegen Kindesentzugs im Gefängnis und wurde erst vor kurzem erneut verurteilt, weil er sich weigert, seine Kinder zurück in ihre Heimat nach Deutschland zu lassen. Seit 2015 leben die Kinder in dem tunesischen Bergdorf Kasserine bei Verwandten des Vaters.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.05.2018 | 12:00 Uhr

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