Stand: 16.08.2019 06:30 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Tod im Klosterwald: Verurteilung ungewiss

2015 ist eine junge Frau in Rehburg-Loccum vergewaltigt und getötet worden. Der mutmaßliche Täter muss sich in einem Revisionsprozess verantworten.

Vor zweieinhalb Jahren hat das Landgericht Verden einen früheren Insassen des Maßregelvollzugs in Rehburg-Loccum (Landkreis Nienburg) zu elfeinhalb Jahren Haft verurteilt. Der heute 51-Jährige soll bei einem unbegleiteten Freigang im Loccumer Klosterforst eine 23-jährige Frau brutal vergewaltigt und getötet haben. Den Leichnam soll er unter Zweigen versteckt haben. Entdeckt wurde die Tote von ihrem Vater, der den Klosterwald nach ihr abgesucht hatte. Jetzt läuft am Gericht der Revisionsprozess gegen den mutmaßlichen Täter - und seine Verurteilung wegen des Todes der Frau ist offenbar keinesfalls sicher. Um die Beweislage ist es aus Sicht der Anklage schlecht bestellt, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet.

Zeugen nehmen Aussagen zurück

Je länger die Tat vom September 2015 zurückliegt, desto weniger können sich viele Zeugen vor Gericht noch exakt an das erinnern, was sie damals gesehen oder gehört haben. Einige haben ihre Aussagen aus dem ersten Prozess gar zurückgenommen. Der Angeklagte selber, ein mehrfach vorbestrafter Gewalttäter, hatte sich ohnehin nie zu den Vorwürfen geäußert und will dies auch weiterhin nicht tun.

DNA: Spurenlage nicht eindeutig?

Eine Hamburger Rechtsmedizinerin beschrieb am Donnerstag im Prozess noch einmal, wie sie an einem zerknüllten Kaugummipapier vom Tatort zwei Spuren der DNA des Angeklagten zweifelsfrei nachgewiesen hatte. Eine andere Rechtsmedizinerin hatte zuvor jedoch ausgesagt, dass die Spurenlage nicht so eindeutig sei. Darüber hinaus sei im Verfahren deutlich geworden, dass einige der gefundenen DNA-Spuren offenbar beim Landeskriminalamt (LKA) in Hannover verunreinigt worden waren, berichtet NDR 1 Niedersachsen.

Angehörige pochten auf Verurteilung wegen Mordes

2017 hatten die Richter den Mann wegen Totschlags verurteilt. Ein Mordmotiv hatten sie nicht erkannt. Deshalb zogen Angehörige der Getöteten vor den Bundesgerichtshof (BGH): Sie pochten auf eine Verurteilung wegen Mordes. Die Richter in Karlsruhe befanden, dass die Beweiswürdigung des Landgerichts Verden lückenhaft war. Nun wird der Prozess seit Juni neu verhandelt. Dieses Mal geht es um Mord. Ein Urteil im Revisionsprozess soll frühestens im Oktober fallen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 15.08.2019 | 17:00 Uhr

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