Sterben Kinder an RSV? Zitat von Oberarzt schlägt hohe Wellen

Stand: 02.12.2022 21:42 Uhr

Eine Welle von Infektionen mit dem RS-Virus bringt Kinderkliniken an ihre Grenzen. Ein Arzt sagte: "Kinder sterben, weil wir sie nicht mehr versorgen können." Das alarmierte Niedersachsens Gesundheitsministerin.

Es war der Leitende Oberarzt der Kinderintensivmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), Michael Sasse, der die aktuelle Situation in den Kliniken mit diesen Worten beschrieb. Er sprach am Donnerstag auf der Pressekonferenz der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) von einer ohnehin schon prekären Lage, die sich durch das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV) noch einmal verschlimmert habe. Auf Nachfrage des NDR in Niedersachsen, ob bereits Kinder gestorben seien, ließ Sasse am Freitag über einen Sprecher der Divi mitteilen: "Es steht klar zu befürchten, dass Kinder sterben könnten, wenn die Versorgungssituation nicht schnellstmöglich verbessert wird."

Michael Sasse © Screenshot
AUDIO: "Kinder sterben, weil wir sie nicht mehr versorgen können" (1 Min)

Behrens fragt nach: Wie dramatisch ist die Lage in der MHH?

Die Worte des MHH-Oberarztes hatten auch Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) alarmiert, die sich am Donnerstag nach Angaben eines Ministeriums-Sprechers umgehend bei der MHH informierte, wie dramatisch die aktuelle Lage ist. Es sei nicht so, dass Kinder sterben, weil sie nicht behandelt werden können, sei die Rückmeldung aus dem Universitätsklinikum gewesen, sagte der Ministeriums-Sprecher am Freitag in der Landespressekonferenz. Im Vergleich zur vergangenen Woche habe sich die Lage in der MHH sogar entspannt. Mittlerweile würden dort auch Kinder aus anderen Bundesländern aufgenommen.

Weitere Informationen
Ein am Respiratorischen Synzytial-Virus (RS-Virus oder RSV) erkrankter Patient liegt auf einer Kinderstation ©  +++ dpa-Bildfunk +++ Foto: Marijan Murat

RS-Virus: Welche Symptome verursacht die Atemwegsinfektion?

Die Kinderkliniken sind derzeit überfüllt. Ein Grund: das Respiratorische Synzytial-Virus (RSV). Was Eltern wissen müssen. mehr

Erste Hinweise: Höhepunkt der RSV-Welle ist erreicht

Auch vom Robert Koch-Institut (RKI) und vom Niedersächsischen Landesgesundheitsamt (NLGA) gebe es erste Hinweise, dass möglicherweise der Höhepunkt der RSV-Welle erreicht sei, sagte der Ministeriums-Sprecher. Ein Indiz dafür sei etwa, dass der Anteil der positiv auf RSV getesteten Proben nicht mehr steige. Dies sei aber keine Entwarnung, so der Sprecher.

Gesundheitsministerium: "Keine flächendeckende Überlastung"

Von 234 betreibbaren Kinderintensivbetten in Niedersachsen hätten die Krankenhäuser lediglich 58 als frei gemeldet, sagte der Ministeriums-Sprecher unter Berufung auf das RKI. Davon seien 45 Betten frei für Neugeborene und 13 für Kinder ab dem 29. Lebenstag. Am Vortag seien noch 66 freie Betten gemeldet worden. Die Lage sei "durchaus angespannt in Niedersachsen", so der Sprecher, der aber hinzufügte: "Es ist keine flächendeckende Überlastung festzustellen."

Weitere Informationen
Eine Intensivpflegerinn pflegt auf einer Kinder-Intensivstation ein am RS-Virus erkranktes Kind, das beatmet wird. © picture alliance/dpa/Marijan Murat Foto: Marijan Murat

RSV: "Kinder sterben, weil wir sie nicht mehr versorgen können"

Der Leitende Oberarzt der Kinderintensivmedizin der MHH schlägt Alarm. In vielen Kliniken fehlen Betten und Personal. (02.12.2022) mehr

Moderator André Schünke interviewt eine Frau. © Screenshot
3 Min

Interview zur Lage der Kinderintensivmedizin in Hannover

Aktuell leiden viele Kinder an Atemwegserkrankungen und die Kliniken an Personalmangel. Dazu im Gespräch: Gesine Hansen vom MHH. 3 Min

Ein Mädchen schnupft sich aus. © Colourbox Foto: Phovoir

Keine "Immunschuld" als Folge der Pandemie-Schutzmaßnahmen

Atemwegserkrankungen von Kindern in Schulen und Kitas häufen sich derzeit. Das hat laut Medizinern aber nur indirekt mit Corona zu tun. (25.11.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.12.2022 | 12:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Infektion

Mehr Nachrichten aus der Region

Menschen fahren auf dem Schützenfest in Hannover mit einem Kettenkarussell. © NDR/Andrea Arnecke Foto: Andrea Arnecke

Saufmeile statt Volksfest? Schausteller warnen vor hohen Gebühren

Kommunen dürften die Rahmenbedingungen nicht weiter verschlechtern, heißt es vom Bundesverband. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen