Daniela Behrens im Interview. © NDR

Niedersachsen hebt Priorisierung auch in Impfzentren auf

Stand: 04.06.2021 13:27 Uhr

Die Impfpriorisierung fällt am Montag. In Niedersachsen gilt das nicht nur bei den Hausärzten, sondern auch in den 52 offiziellen Impfzentren des Landes. Das teilte das Gesundheitsministerium mit.

Alle Menschen ab zwölf Jahren in Niedersachsen können sich damit ab Montag auch für eine Corona-Impfung in den Zentren anmelden. Das Land Niedersachsen werde den Beschluss des Bundes zur Aufhebung der Impfpriorisierung vollständig umsetzen, hieß es. Angesichts einer hohen Impfquote in der besonders gefährdeten Altersgruppe und einer gleichzeitigen Beibehaltung der Reihenfolge auf der Warteliste sei dies vertretbar, so das Gesundheitsministerium. Zuvor hatte unter anderem Hamburg beschlossen, die Impfpriorisierung in den Zentren beizubehalten. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatten den Ländern zugestanden, selbst über den Bestand der Impfreihenfolge in den von ihnen organisierten Impfzentren zu entscheiden.

Hoher Andrang erwartet

Anmeldungen sollen ab Montag über das Impfportal des Landes sowie über die Hotline unter der Telefonnummer (0800) 99 88 665 möglich sein. Angesichts des hohen zu erwartenden Anrufaufkommens empfiehlt das Gesundheitsministerium, vor allem das Onlineportal für die Anmeldung zu nutzen.

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Behrens mahnt zur Geduld

Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) betonte, dass die bereits angelegten Wartelisten bestehen bleiben. Die dort eingetragenen Menschen, die den Prioritätsgruppen 1 bis 3 angehören, hätten ihren Platz weiterhin sicher. Gleichzeitig mahnte Behrens zu Geduld: Rund 590.000 Personen aus den priorisierten Gruppen würden sich auf den Wartelisten befinden. Es brauche Zeit, diese Personen zu versorgen, weil der Impfstoff weiterhin knapp sei und viele Zweitimpfungen anstehen würden. Am Donnerstag war Behrens von einem Zeitraum von bis zu vier Wochen ausgegangen, den es brauche, um die bestehende Warteliste abzuarbeiten.

Sprecher: Priorisierung bleibt de Facto noch einige Wochen bestehen

Ein Sprecher des Gesundheitsministerium wurde am Freitag noch deutlicher. Die Priorisierung in den Impfzentren falle zwar zum 7. Juni weg, werde aber "de facto noch einige Wochen aufrecht erhalten". Grund sei die bestehende Warteliste, die nun chronologisch abgearbeitet werde, so der Sprecher. Durch die Aufhebung der Priorisierung sei es aber ab Montag möglich, dass alle, die bislang nicht zu den Priorisierungsgruppen zählten, sich für die Warteliste anmelden können.

Beratung bei Kindern ab zwölf Jahren empfohlen

Nach Angaben des Landes spricht nichts dagegen, sich bei verschiedenen Stellen - nach den Hausärzten starten ab Montag auch die Betriebsärzte - um Impftermine zu bemühen. Wichtig sei nur, andere Termine oder Wartelistenplätze abzusagen, wenn man vorher woanders an die Reihe kommt. Mit Blick auf Kinder ab zwölf Jahren empfiehlt Behrens, dass sich Eltern bei Kinder- und Jugendärzten beraten lassen. Zwar können Familien ihre Kinder auf die Wartelisten setzen lassen, die Ständige Impfkommission (Stiko) hat zu dem Thema aber noch keine Empfehlung ausgesprochen.

Impfquote von 85 Prozent angestrebt

45 Prozent der Niedersachsen haben inzwischen die Erstimpfung erhalten, 17,8 Prozent auch die Zweitimpfung. Mehr als 80 Prozent der Menschen in Niedersachsen über 60 Jahren haben laut Behrens mindestens eine Impfung erhalten. Sie geht davon aus, dass bis Ende Juli/Anfang August etwa 65 Prozent der Menschen zumindest eine erste Impfung erhalten haben. Im Juni erhält das Land Niedersachsen vom Bund rund 235.000 Dosen pro Woche. Die Lieferankündigungen des Bundes für das dritte Quartal liegen den Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge noch nicht vor. "Wir wünschen uns einen deutlichen Aufwuchs der Liefermengen für die Impfzentren", sagte Behrens. Für eine Immunisierung der Bevölkerung werde ein Impfquote von etwa 85 Prozent angestrebt.

Behrens: Testen bleibt weiter wichtig

Neben dem Impfen bleibe das Testen wichtig, um gut durch den Sommer zu kommen, sagte Behrens. Sie glaube, Niedersachsen werde besser aus dem Sommer kommen als im vergangenen Jahr, als die Infektionszahlen nach den Sommerferien wieder anstiegen. "Nun ist anders, dass wir im Herbst eine hohe Impfquote haben. Das müsste uns vor der vierten Welle, von der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sprechen, schützen. Aber sicher ist das nicht."

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Hallo Niedersachsen | 04.06.2021 | 13:00 Uhr

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