Stand: 12.04.2019 21:24 Uhr

Lügde: Polizei hat Datenträger am Tatort übersehen

von Britta von der Heide (NDR) und Arne Hell (WDR)
Der Abrissunternehmer hat in dem von der Polizei freigegebenen Tatort Datenträger wie diese CD gefunden.

Auf der Parzelle des Hauptverdächtigen im Missbrauchsfall von Lügde, Andreas V., sind weitere Datenträger gefunden worden - gut zwei Wochen, nachdem Polizei und Staatsanwaltschaft den Tatort freigegeben hatten. Seit Dienstag ist ein örtlicher Abrissunternehmer damit beauftragt, die Wohnung des Dauercampers nahe der Grenze zu Niedersachsen abzureißen. Er fand dabei nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" fünf Datenträger: drei CDs und zwei Disketten, eine davon erst am Freitag. Ob darauf kinderpornografisches Material gespeichert war, ist unklar. Die Polizei in Bielefeld, die die Ermittlungen durchführt, bestätigte den Fund. Die Behörde gab an, dass die Datenträger ausgewertet würden. Weitere Angaben machte sie zum Inhalt nicht.

Die Polizei bei der Spurensuche.

Missbrauch in Lügde: Polizei übersah Datenträger

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Im Missbrauchsfall auf einem Campingplatz in Lügde war die Hütte eines Verdächtigen von der Polizei freigegeben worden. Ein Abrissunternehmer fand danach mehrere Datenträger.

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Datenträger in Hohlraum: Polizei bestätigt Fund

Der Abrissunternehmer hatte am Donnerstag die ersten vier Datenträger der Polizei übergeben. Nach seinen Angaben sollen die CDs handschriftlich mit einer Jahreszahl, dem Wort "Video" und fünfmal dem Buchstaben "X" beschriftet gewesen sein. Entdeckt hat er die Datenträger nach eigenen Angaben, als er einen der Wohnwagen auf der Parzelle zerlegt hat. Laut Polizei ist bei den Abrissarbeiten zwischen zwei Bodenplatten ein Hohlraum freigelegt worden. Dieser Ort sei bei den polizeilichen Durchsuchungen zuvor mit den zulässigen Mitteln nicht aufgefunden worden, hieß es bei der Behörde.

Innenminister stärkt Ermittlern den Rücken

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) stellte sich am Freitagabend im WDR-Fernsehen hinter die Polizei. Er betonte, dass man die Datenträger bei den ersten Durchsuchungen nicht hätte finden können. "Wenn sie in Hohlräumen versteckt wurden oder dort hineingerutscht sind, kann man sie erst bei Abrissarbeiten finden", sagte Reul. Ob sich auf den CDs und Disketten kinderpornografisches Material befinde, sei noch unklar.

Erste Durchsuchung förderte Hunderte Datenträger zutage

Die Behausung von Andreas V., in der über Jahre Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht und dabei gefilmt und fotografiert worden sein sollen, war von der Polizei im Rahmen der Ermittlungen mehrfach durchsucht worden. Zunächst im Dezember nach der Festnahme des Hauptverdächtigen, damals noch unter der Leitung der Kriminalpolizei Detmold. Dabei waren Computer, Festplatten und Hunderte andere Datenträger mit Tausenden Dateien sichergestellt worden.

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Mitte Februar, nachdem mehrere Fehler und Versäumnisse der Polizei öffentlich gemacht wurden, nahm sich die Spurensicherung den Tatort erneut vor, inzwischen unter der Leitung der Polizei Bielefeld. Das Auto und ein weiterer Campingwagen des Hauptverdächtigen waren bis dahin noch gar nicht durchsucht worden. Es waren auch keine DNA-Spuren gesichert worden. Die Beamten fanden noch einen PC und mehr als 130 CDs. Auf Druck des NRW-Innenministeriums folgten Ende Februar und Anfang März über mehrere Tage weitere Durchsuchungen. Ergebnis: Es wurden weitere Datenträger sichergestellt. Ein USB-Stick wurde in einer Sesselritze gefunden. Die Polizei hatte den Tatort Ende März freigegeben. Danach drängte der Besitzer des Campingplatzes darauf, dass die Parzelle geräumt wird. Nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung willigte der Beschuldigte Andreas V. ein, sodass der Abriss in dieser Woche beginnen konnte.

Prozess gegen Beschuldigte soll im Juni beginnen

Die leitende Staatsanwaltschaft Detmold geht davon aus, dass im Juni der Prozess gegen Andreas V. und weitere Beschuldigte, von denen einer aus Stade kommt, startet. Aufgrund der Auswertungen des Materials sprechen die Ermittler derzeit davon, dass es 40 Missbrauchsopfer gibt. Es könnte sein, dass die Zahl steigt. Eines der Opfer ist ein heute acht Jahre altes Mädchen, das Andreas V. vom Jugendamt des niedersächsischen Kreises Hameln-Pyrmont als Pflegekind überlassen worden war - obwohl das Jugendamt mehrere Hinweise bekommen hatte, dass Andreas V. sich pädophil geäußert haben soll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.04.2019 | 18:00 Uhr

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