Stand: 17.03.2018 19:21 Uhr

Newroz: Kurden-Protest gegen Angriffe auf Afrin

Zum kurdischen Neujahrsfest Newroz haben am Sonnabend zeitweise bis zu 11.000 Menschen gegen die türkische Offensive in Syrien demonstriert, so die Schätzung der Polizei. Veranstalter und Polizei hatten zuvor mit mehr Teilnehmern gerechnet. Die Proteste verliefen weitgehend friedlich, wie ein Polizeisprecher am Nachmittag sagte. Kleinere Zwischenfälle gab es dennoch: Vereinzelt seien verbotene Fahnen gezeigt und verbotene Parolen gerufen worden. Polizisten seien mit Plastikflaschen beworfen und mit Fahnenstangen angegangen worden. Beamte stellten mehrere Gegenstände sicher, drei Männer wurden festgenommen. Die Polizei war mit einem Großaufgebot in Hannover, auch Wasserwerfer standen bereit.

Polizei filmt Demonstranten mit verbotenen Fahnen

Von zwei Punkten aus hatten sich gegen Mittag Demonstrationszüge in Bewegung gesetzt. Einige Demonstranten schwenkten Fahnen mit dem Bild des Chefs der verbotenen Kurdenpartei PKK, Abdullah Öcalan. Mehrfach ermahnte die Polizei die Versammlungsteilnehmer, keine verbotenen Symbole zu zeigen. Teilweise filmten Beamte aus dem Hintergrund Demonstranten, die verbotene Fahnen schwenkten. Nach Angaben eines Sprechers sollte so eine Eskalation verhindert werden. Die Polizei wolle die Identitäten der Betroffenen mithilfe der Videoaufnahmen feststellen, um Strafverfahren einzuleiten. Ayten Kaplan, Ko-Vorsitzende des kurdischen Dachverbands Nav-Dem, übte Kritik am Einsatz: Die Polizisten vor Ort hätten sich nicht an getroffene Absprachen gehalten, deshalb werde der Dachverband vor dem Verwaltungsgericht Hannover klagen.

Redner fordern Ende der Zusammenarbeit mit der Türkei

Am frühen Nachmittag erreichten die Züge den Opernplatz in Hannovers Innenstadt, wo Redner ein Ende der Waffenlieferungen Deutschlands an die Türkei forderten. "Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis endlich diese Zusammenarbeit der deutschen Regierung mit dem türkischen Regime aufhört", sagte ein Redner unter viel Applaus und Jubel aus der Menge. Neben Vertretern kurdischer Organisationen sprach auch Hannovers früherer Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg (SPD). Er forderte unter anderem, keine Waffen mehr an die Türkei zu liefern. "Deutsche Panzer raus aus Kurdistan" riefen einige Demonstranten, andere nannten den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan in Sprechchören einen Terroristen. "Hoch, die internationale Solidarität", war ebenfalls mehrfach zu hören.

Newroz: Demonstranten ziehen durch Hannover

Türkei geht gegen kurdische Einheiten vor

In den vergangenen Wochen hatten Kurden mehrfach gegen den Einsatz türkischer Truppen in Syrien demonstriert. Seit Januar geht die Türkei mit Verbündeten gegen die kurdischen Volksschutzeinheiten YPG in der nordsyrischen Stadt Afrin vor. Sie sieht darin einen verlängerten Arm der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK in Syrien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.03.2018 | 16:00 Uhr

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