Stand: 18.09.2020 16:40 Uhr

Kulturhauptstadt: Hannovers Manifest für 2025

Leute stehen vor dem Neuen Rathaus in Hannover. © NDR Foto: Henning Orth
Hannovers OB Onay (3. v. l.) half beim Entrollen des 21 Meter langen Bid Books.

Im Rennen um den Titel "Europäische Kulturhauptstadt 2025" geht es für die Bewerberstädte auf die Zielgerade. Ob Hannover, Hildesheim, Chemnitz, Nürnberg oder Magdeburg am Ende vorn liegt, entscheidet sich Ende Oktober. Anders als geplant bekommen die Bewerber in der Endrunde keinen Besuch von der Jury. Grund ist die Corona-Pandemie. Die Verantwortlichen setzen deshalb voll auf das Internet. Da ist es eigentlich nur konsequent, dass Hannover das zweite sogenannte Bid Book - das entscheidende Bewerberbuch - am Freitag per Livestream präsentiert hat.

Science-Fiction als Bewerbung

"Wir überzeugen die Jury," sagte Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne), "mit einem Buch aus der Zukunft für die Zukunft Europas." Die Geschichte: Statt eines Bewerbungsbuchs hat die Stadt das Manifest "Normalität ist keine Option" eingereicht. In der Science-Fiction Geschichte des Autors Juan S. Guse findet eine Wissenschaftlerin in einer Cloud Hannovers fast fertiges, nie abgegebenes Bid Book. Ihre Studie ist der Blick zurück aus dem Jahr 2059 auf das Jahr 2020.

21 Meter lange Stoffbahn

Entworfen hat das Bid Book der Künstler und Designer Sebastian Peetz: eine Buchrolle, die aus 100 DIN A4-Seiten besteht, die wiederum auf einer 21 Meter langen, gewebten Stoffbahn aneinanderhängen

 

Mobile Agora soll durch die Stadt wachsen

Zentrales Thema ist, wie auch schon im ersten Bid Book, die "Agora of Europe": der zentrale Platz in der Stadt, an dem sich viel abspielt. Und der soll wandern. Eine mobile Agora nennen das die Macher, denn das Festivalzentrum soll jeden Monat an einem anderen Ort stehen: auf dem Cityring, am Conti-Campus, am Neuen Rathaus. Dort sollen jeden Monat andere Themen behandelt werden. Die aus 90 Prozent recyclebaren Rohstoffen bestehenden Module der Agora lassen sich variabel zusammensetzen. Mal türmen sie sich auf, mal bilden sie einen Ring, mal schlängeln sie sich in die Straßen oder wuchern in Parks. Sie sollen einzeln und temporär auch schon vor 2025 auftreten, um Vorfreude auf die Kulturhauptstadt zu schüren.

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Demokratie, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung

Mehr als 500 Projekte soll es in Hannover im Jahr 2025 geben. Im zweiten Bid Book werden 48 Projekte mit mehr als 210 lokalen, nationalen und internationalen Kunstschaffenden und Partnern beschrieben. Themen sind Demokratie, Menschenrechte, Nachhaltigkeit und Digitalisierung. Zum Thema Verschmutzung der Meere etwa entwickeln Chöre, Performance-Künstler und die NDR Radiophilharmonie ein Konzert auf schwimmenden Plattformen im Maschsee.

Ihme-Zentrum wird Kulturzentrum

Im Ihme-Zentrum zum Beispiel soll das "Internationale Zentrum für Künstlerische Forschung" (IZKF) entstehen: Kulturschaffende von der freien Szene bis zu traditionsreichen Institutionen wie der Staatsoper sollen in dem Hochhauskpomplex zusammen arbeiten und neue künstlerische Formate entwickeln. Der Investor hat die Nutzung von Räumen und Flächen über die nächsten zehn Jahre zugesagt.

Grüne Hochstraße und grasende Pferde

Einige weitere Projektbeispiele: eine Brücke, die vom Hautpbahnhof direkt auf die Raschplatz-Hochstraße führt, die begrünt und das ganze Jahr für den Verkehr gesperrt ist, Kulturboote, die aus ganz Europa auf die Leine kommen, Pferde, die mitten in der Stadt grasen, und ein Benefizkonzert für Geflüchtete im Stadion.

Entscheidung am 28. Oktober

Hildesheim stellt sein Bid Book am Montag offiziell vor. Bis dahin müssen auch alle Städte ihre Bewerbungen eingereicht haben. Am 28. Oktober gibt die Jury dann bekannt, wen sie als deutschen Beitrag für die "Kulturhauptstadt 2025" empfiehlt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 18.09.2020 | 17:00 Uhr

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