Stand: 22.02.2018 20:07 Uhr

Hildesheimer Forscher spüren Hass-Tweets auf

Sollte Hass im Internet reguliert und gelöscht werden - oder gefährdet das die Meinungsfreiheit? Auf diese Diskussion stößt derzeit praktisch jeder, der sich im Netz bewegt. Forscher aus Hildesheim präsentieren währenddessen ein Computerprogramm, das es zumindest schon mal einfacher machen soll, Hetzbotschaften zu erkennen. Die Software ist ein gemeinsames Projekt von Forschern der Universitäten Hildesheim und Antwerpen. Sie könne automatisiert und in Echtzeit deutschsprachige Hass-Wörter und Wortkombinationen auf Twitter aufspüren, teilte die Uni Hildesheim am Donnerstag mit. Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an der Publikation ihrer Ergebnisse. Eine spätere Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden können sie sich nach eigenen Angaben gut vorstellen.

Nüchterner Algorithmus für starke Emotionen

Der Algorithmus der Forscher zeigt auch, wer besonders häufig das Ziel deutscher Hasskommentare ist. Demnach richten sich die Tweets oft gegen Flüchtlinge aus Afrika, gegen Muslime, Juden, obdachlose Menschen, Kriminelle, sogenannte Gefährder, Linksextremisten und "Gutmenschen". Typisch für die Kommentare seien Ausdrücke der Gewalt: schlagen, schießen, überfallen, bekämpfen. Allgemeine Beschimpfungen seien ebenfalls oft zu finden, etwa abwertende Begriffe wie "Scheißdeutschland".

80 Prozent Trefferquote

Die "Sprache des Hasses" verändere sich sehr schnell, sagt der Antwerpener Sprachtechnologe Tom De Smedt. Damit könne die Software umgehen. Sie lerne selbstständig, Hasskommentare aufzuspüren. "Wir haben unser Programm bereits getestet: In 80 Prozent der Fälle liegt es richtig", erklärt De Smedt. Er hat bereits ein Programm zum Erkennen dschihadistischer Inhalte im Internet entwickelt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR//Aktuell | 21.02.2018 | 16:00 Uhr

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