Stand: 08.05.2020 22:07 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Gegendemo ohne Demo - AfD-Aufmarsch fällt aus

Rund 900 Menschen demonstrierten am Freitag in Hannover gegen die AfD.

Rund 900 Menschen haben am Freitagabend auf dem Opernplatz in Hannover friedlich gegen eine geplante AfD-Kundgebung protestiert. Ursprünglich war an gleicher Stelle, in unmittelbarer Nähe zum Holocaust-Mahnmal, eine Protestveranstaltung der AfD gegen Corona-Maßnahmen zunächst angekündigt und später dann abgesagt worden - von der AfD selbst.

Gegendemo ohne Demo

Zunächst hatte der AfD-Kreisverband Hannover Land für Freitagabend die Versammlung angemeldet. Am Donnerstagnachmittag hatte die Region Hannover die Versammlung verboten. "Aufgrund der Einschätzung der Polizei Hannover, dass die vorgesehenen geeigneten Maßnahmen zum Schutz von Infektionen nicht eingehalten werden können, hat die Region die Erteilung einer Ausnahmegenehmigung abgelehnt", sagte ein Sprecher dem NDR Niedersachsen. Daraufhin stellte die Partei einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht der Stadt. Das Gericht kippte am Freitagnachmittag das Verbot der Region unter Corona-Auflagen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Veranstalter den Aufmarsch allerdings bereits via Facebook abgesagt. Das hannoversche Bündnis "bunt statt braun" hat seinen Protest gegen die AfD-Demonstration am Freitag dennoch kundgetan.

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Rund 900 Teilnehmer bei "bunt statt braun"

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Der Protest von "bunt statt braun" blieb nach Polizeiangaben friedlich.

Die Partei habe sich ausgerechnet den 8. Mai ausgesucht, um unter dem Deckmantel des Corona-Protestes ihrer völkisch-nationalistischen Propaganda in direkter Nähe des Holocaust-Mahnmals eine Bühne zu geben, heißt es in dem Aufruf. Rund 900 seien diesem Aufruf gefolgt, um auf dem Opernplatz ein Zeichen gegen Rechts zu setzen und an die Befreiung vom Faschismus vor 75 Jahren zu erinnern, sagte ein Sprecher der Initiative NDR.de am Freitagabend. Laut Polizei verlief die Veranstaltung ohne Zwischenfälle.

"Gegen Rassismus gibt es keine Immunität"

Einer der Redner auf der Gegendemo war Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne). Die AfD spiele mit den Ängsten der Menschen in der Corona-Krise, sagte Onay. Es sei "perfide", dass die rechtspopulistische Partei ihre Veranstaltung ausgerechnet für den 8. Mai geplant habe. "Gegen Rassismus gibt es keine Immunität", so Onay.

"Verhöhnung aller Opfer des Holocausts"

Auch die Grüne Jugend Niedersachsen hatte die ursprünglich geplante AfD-Demo mit deutlichen Worten kritisiert. Die Kundgebung sei eine Verhöhnung aller Opfer des Holocaust, sagte Sprecherin Tomke Appeldorn. Der scheidende Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, Jens-Christian Wagner, schrieb auf Twitter, die Demonstration einer rechtspopulistischen Partei am 8. Mai neben dem Shoah-Denkmal sei "ein Schlag ins Gesicht aller NS-Opfer".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 08.05.2020 | 16:00 Uhr

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