Zwei Polizisten stehen auf der Tribüne und blicken in das Rund der HDI-Arena. © picture alliance/dpa

Fünf Jahre nach Terroralarm und Spielabsage in Hannover

Stand: 15.11.2020 10:41 Uhr

Im Jahr 2015 wird in Hannover ein Länderspiel wegen einer Terrorwarnung kurz vor Beginn abgesagt. Laut Innenminister Pistorius hat sich an der allgemeinen Gefährdungslage bis heute nichts geändert.

Am frühen Abend des 17. November 2015 sitzen die ersten Fußball-Fans bereits im Stadion in Hannover, viele weitere sind auf dem Weg an den Maschsee. Um 20.45 Uhr soll Anpfiff sein: Ein Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und den Niederlanden. Es ist kein gewöhnliches Fußballspiel, die Atmosphäre angespannt, dieser November besonders grau. Vier Tage zuvor sind in Paris bei Terroranschlägen 130 Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Zu den Zielen der Terroristen gehörte auch das Stade de France. Dort spielte die deutsche gegen die französische Nationalmannschaft. Nur wenige Tage später stehen nun vor dem Stadion in Hannover mehr als 1.000 Menschen zusammen. Sie wollen mit einer Lichterkette der Opfer von Paris gedenken. Das Spiel gegen die Niederlande soll auch ein Zeichen gegen den Terror sein. Doch dann rückt die Bedrohung ganz nah. Um 19:15 Uhr ertönt eine Durchsage im Stadion: Die Fans mögen bitte nach Hause gehen, das Spiel ist wegen einer "akuten Gefährdungslage" abgesagt.

Warnung kam von israelischem Geheimdienst

Später stellte sich heraus, dass die deutschen Sicherheitsbehörden durch einen Hinweis eines israelischen Geheimdienstes vor einem unmittelbar bevorstehenden Terroranschlag gewarnt worden waren. Demnach habe eine Gruppe von mindestens fünf Attentätern Sprengstoffanschläge auf das Fußballländerspiel in Hannover sowie auf den öffentlichen Nahverkehr der Stadt geplant. Im Stadion und auch im Umfeld wird später kein Sprengkörper gefunden. Anderthalb Jahre danach stellte die Bundesanwaltschaft ihre Ermittlungen ein.

Thomas de Maizière und ein Satz mit Folgen

Dieser Tag blieb nicht nur in Hannover, sondern weit darüber hinaus in Erinnerung. Dafür sorgte nicht zuletzt eine Äußerung des damaligen Bundesinnenministers Thomas de Maizière (CDU) auf einer Pressekonferenz am Abend der Spielabsage. Der Frage nach den Hintergründen für die Entscheidung wich der Minister aus mit den Worten: "Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern." Ein Satz, den de Maizière später selbst als Fehler bezeichnete.

Innenminister Pistorius: Terrorgefahr besteht weiterhin

Fünf Jahre nach der Absage ist die Bedrohung durch Terroristen in Deutschland in der öffentlichen Wahrnehmung in den Hintergrund gerückt. Nach Einschätzung des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius (SPD) hat sich an der generellen Terrorgefahr seitdem aber nichts geändert. "Genau wie vor fünf Jahren besteht auch heute weiterhin die Gefahr islamistisch motivierter Anschläge, auch in Niedersachsen", sagte Pistorius. "Das damalige Geschehen und der polizeiliche Einsatz waren allerdings einzigartig." Der Einsatz sei hervorragend organisiert und die besonnene Reaktion der Fans und der Bevölkerung angesichts der für sie undurchsichtigen Lage ein besonderer Faktor gewesen.

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Polizisten stehen vor der HDI-Arena und sperren den Bereich ab. © picture alliance/dpa

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Sicherheitsbeamte halten Absperrband in der Hand. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.11.2020 | 11:00 Uhr

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