Stand: 02.05.2018 20:26 Uhr

Bad Nenndorf freut sich über Bundesverdienstkreuz

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Friedlicher Protest wie hier 2015: Jürgen Uebel (Mitte) im Kreis seiner Mitstreiterinnen Birgit Kramp (links) und Gitta Matthes.

Über Jahre hat sich Bad Nenndorf gegen die Aufmärsche von Rechtsradikalen gewehrt - mit friedlichem Protest entlang der Route. Den Rechten mit farbenfrohen Partys zu begegnen ist das Markenzeichen des Bündnisses "Bad Nenndorf ist bunt". Nun gibt es dafür eine hohe Auszeichnung: das Bundesverdienstkreuz, verliehen von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, stellvertretend an den Bad Nenndorfer Apotheker und Initiator Jürgen Uebel. Die Freude darüber ist groß in der Stadt im Landkreis Schaumburg. Doch Uebel macht deutlich: Die Auszeichnung gelte nicht nur ihm, sondern dem gesamten Bündnis.

"Wir sind stolz auf die Ehrung"

"Wir haben gemeinsam dafür gesorgt, dass die Neonazis die Lust verloren haben, nach Bad Nenndorf zu kommen", sagte der 62 Jahre alte Uebel zu NDR Info. Dem schließt sich Mike Schmidt (CDU) an, Bürgermeister der Samtgemeinde: "Wir sind stolz auf die Ehrung, aber sie gehört auch den ganzen Bürgern der Stadt und der Samtgemeinde."

Pistorius: "Symbol für Zivilcourage und Anstand"

Großes Lob für die Initiative kommt von Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD). Die Bad Nenndorfer hätten "den Nazis auch mit einer ordentlichen Prise Humor gezeigt, dass unsere Demokratie und unser Zusammenhalt stark genug sind, um mit solchen Aufzügen umzugehen und immer wieder gemeinsam dagegen aufzustehen", sagte der Minister am Mittwoch. "Bad Nenndorf ist bunt" sei mehr als nur der Name einer Bewegung gegen rechts: "Das Bündnis ist ein Symbol für die Zivilcourage und Anstand."

"Demokratie muss mit Leben gefüllt werden"

"Wir freuen uns, dass mit dieser Auszeichnung das langjährige Engagement eines niedersächsischen Bürgers für Demokratie und Toleranz gewürdigt wird", erklärte Kirsten Minder vom Landes-Demokratiezentrum. Die Demokratie lebe nicht allein durch staatliche Institutionen. "Sie muss immer wieder von Bürgerinnen und Bürgern getragen und mit Leben gefüllt werden. Wir wünschen uns, dass die Ehrung noch viel mehr Menschen ermutigt, in ihrem Umfeld gegen Rechtsextremismus und für ein tolerantes Miteinander einzutreten." Das koste oft Mut und Zeit, sagte die Leiterin des Bereichs Prävention von Rechtsextremismus und Demokratieförderung. "Das Bad Nenndorfer Bündnis zeigt, dass gemeinsames zivilgesellschaftliches Engagement erfolgreich sein kann."

Bis zu 1.000 Neonazis in Bad Nenndorf

Jürgen Uebel war 2006 einer der ersten Kurstädter, die sich den sogenannten Trauermärschen der Rechtsextremen entgegenstellten. Er fand Mitstreiter im Sportverein, bei Kirchen, Gewerkschaften und vielen mehr. Das Bündnis "Bad Nenndorf ist bunt" war geboren. Elf Jahre lang kamen die Rechtsextremisten an jedem ersten August-Wochenende zu ihrem "Trauermarsch" in die rund 15.000 Einwohner zählende Stadt am Deister. In manchen Jahren waren bis zu 1.000 Neonazis in der Kurstadt aufmarschiert - eine Belastung für viele Einwohner, auch, weil wegen der Demonstrationen das Leben in der Kleinstadt stillstand. Für die rechtsextreme Szene allerdings war es eine der bundesweit wichtigsten Demonstrationen. Begleitet war sie regelmäßig von einem massiven Polizeiaufgebot.

Rechte wurden ausgelacht - das zeigte Wirkung

Doch die Bad Nenndorfer machten sich in jedem Jahr aufs Neue über den rechten Aufmarsch lustig. Und das zeigte Wirkung: Nach und nach verlor das rechtsextreme Lager den Spaß daran, ausgelacht zu werden. Die Teilnehmerzahlen von Rechtsaußen bröckelten. Im Jahr 2016 zeigte sich dann der Erfolg der Proteste: Erstmals nach Jahren ließ sich kein Rechtsextremist mehr in der Kurstadt blicken.

Auch mit Preis für "Demokratie und Toleranz" ausgezeichnet

Es ist nicht die erste Auszeichnung für die Bad Nenndorfer und ihre friedfertigen, aber erkennbar wirksamen Proteste. Schon im Jahre 2012 war "Bad Nenndorf ist bunt" für sein Engagement mit dem bundesweit vergebenen Preis für "Demokratie und Toleranz" prämiert worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 02.05.2018 | 06:12 Uhr

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