Stand: 15.02.2019 09:00 Uhr

60 Jahre Radarmessung: Blitzer-Bulli kann's noch

Heute vor 60 Jahren läutet eine neue Technologie die Zeitenwende auf Deutschlands Straßen ein. Am 15. Februar 1959 kontrollieren Polizisten in Nordrhein-Westfalen erstmals per mobilem Radar die Geschwindigkeit von Autofahrern. Kurze Zeit später schafft auch die Polizei in Hannover die Technik an. Und ein entsprechendes Fahrzeug, in das die Radaranlage eingebaut werden kann. Die Behörde entscheidet sich für einen T1 von VW. Immer öfter steht der Blitzer-Bulli an den Straßenrändern Niedersachsens und überführt Tempo-Sünder. Doch Schrecken unter den Autofahrern verbreitet der T1 nur bis 1964, als er von der Polizei abgemeldet wird. Mehr als ein halbes Jahrhundert später steht er jetzt in der werkseigenen Sammlung von Volkswagen Nutzfahrzeuge Oldtimer (VWNO).

Der Blitzer-Bulli: In den 60ern "Neuland"

Bis 1959 Messung mit der Stoppuhr

54 Jahre war der T1 verschollen, stand in privaten Garagen und Scheunen. Der letzte Eigentümer war ein Kfz-Meister aus Hannover, der das Fahrzeug in seiner Garage im Stadtteil Badenstedt abgestellt hatte - vor Witterungseinflüssen geschützt, aber jahrelang weitgehend unbeachtet. Bis zur Entdeckung durch Mitarbeiter von VWNO. Dieser T1, gebaut im Jahr 1953, Farbe blau, 25 PS, war der erste Bulli, der als Radarblitzer zu Schulungszwecken bei der Polizei in Niedersachsen im Einsatz war. Das war 1961. Für die Polizei war die neue Technologie, mittels Radar die Geschwindigkeit zu messen, unbekanntes Terrain. Man bedenke: Zuvor wurde tatsächlich noch mit Stoppuhren gemessen. Die Beamten mussten sich auf Lehrgängen also entsprechendes Know-how aneignen.

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Rarität: Bulli mit eingebauter Radarmessung

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Jahrzehnte hat ein VW Bulli des Baujahrs 1953 in einer Scheune im Dornröschenschlaf verbracht hat. Das Besondere an dem Exemplar: Es verfügt über eine Radarmesstechnik. Video (03:59 min)

Neuland für alle

Heinz Scholze war einer von ihnen - einer der ersten. Der heute 89-Jährige war damals Polizeihauptwachtmeister und lernte auf einem Radarlehrgang den Umgang mit der Anlage. "Das war absolutes Neuland - für die Verkehrsteilnehmer und für uns." Später wurde ihm der Bulli zum zweiten Zuhause, wie er heute bei seiner Begegnung mit dem Bulli in den Hallen von VWN in Hannover-Limmer sagt. "Hier habe ich über Stunden ganz allein auf dem Holzstuhl am Radarmessgerät gesessen und aufgepasst, ob mir ein Raser ins Netz geht. Die waren dann völlig baff, wenn es aus dem Bulli-Heck plötzlich blitzte." Neuland eben, für alle.

Radargerät misst immer noch genau

Für Einbau und Wartung der Telefunken-Anlagen des Typs "VRG2-Verkehrsradargerät" war damals Polizeihauptmeister Dieter Dell verantwortlich: "Das war technisch ziemlich aufwendig, alles in dem Bulli unterzubringen und zu verkabeln", sagt der heute 79-Jährige. "Das Blitzgerät im Heck tarnten wir durch eine Klappe in Wagenfarbe." Das Radargerät wurde am 2. Dezember 1958 von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) Braunschweig freigegeben. Die PTB hat sogar noch die passende Radaranlage im Bestand. Und sie funktioniert noch immer. "Sie ist aus unerklärlichen Gründen mit den Jahren sogar noch besser geworden", sagt PTB-Mitarbeiter Frank Märtens. "Sie misst auch heute noch sehr genau, ihre Fehlerquote hat eine maximale Abweichung von drei km/h, liegt damit im absoluten Toleranzbereich." Autofahrer müssen sich aber nicht fürchten. Bulli und Radaranlage sind im Ruhestand.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Hannover | 14.02.2019 | 17:00 Uhr

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