Stand: 09.10.2015 09:12 Uhr  | Archiv

Razzia bei VW: Computer und Akten sichergestellt

Im Zuge der Ermittlungen wegen manipulierter Abgaswerte bei Volkswagen hat es am Donnerstag eine unangekündigte Razzia beim Wolfsburger Autobauer gegeben. Durchsuchungen wurden "insbesondere in der Konzernzentrale in Wolfsburg" sowie an anderen Orten "im Bereich Wolfsburg" durchgeführt, wie Oberstaatsanwalt Klaus Ziehe am Donnerstagnachmittag erklärte. Die Ermittler konfiszierten demnach Akten und Computer. Drei Staatsanwälte durchsuchten mit Unterstützung von rund 50 Kräften des Landeskriminalamts (LKA) Firmengebäude, Privathäuser und Wohnungen von jetzigen oder früheren VW-Mitarbeitern, so Ziehe.

VIDEO: VW: Razzien und Anhörung vor US-Kongress (5 Min)

Wer war an Manipulationen beteiligt?

Die Staatsanwaltschaft sucht nach eigenen Angaben mit Blick auf "in Betracht kommende Straftatbestände" Informationen darüber, welche Mitarbeiter von Volkswagen an der Manipulation beteiligt waren und wie sie dabei konkret vorgegangen sind. Mögliche Straftatbestände könnten laut Ziehe Betrug und Verstoß gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb sein. "Das sind im Moment ganz grob die Hauptpfeiler, auf denen wir unsere Ermittlungen aufbauen", sagte Ziehe. Die Auswertung der sichergestellten Daten werde wegen der großen Mengen dauern, kündigte Ziehe an: "Wir reden nicht von Kilobytes oder Megabytes, sondern von Terabytes." Er betonte, dass unter den derzeit Beschuldigten nicht der zurückgetretene VW-Chef Martin Winterkorn sei: "Das sind andere Personen."

Videos
Thorsten Hapke gibt ein Interview im Studio von NDR Aktuell. © NDR
2 Min

Abgas-Skandal: Razzia bei VW

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat bei VW in Wolfsburg und an weiteren Orten Razzien wegen der Manipulation von Abgaswerten gestartet. Thorsten Hapke mit Einzelheiten. 2 Min

VW: "Hohes Interesse" an schneller Aufklärung

Der Volkswagen-Konzern zeigte sich kooperationsbereit: "Wir werden die Staatsanwaltschaft bei der Ermittlung des Sachverhaltes und der verantwortlichen Personen nach besten Kräften unterstützen", sagte ein Sprecher. In Wolfsburg habe das Unternehmen den Ermittlern eine umfassende Sammlung von Dokumenten übergeben. Die Ermittlungen dienten "einer unverzüglichen und vollständigen Aufklärung, an der Volkswagen hohes Interesse hat", so der Konzernsprecher. VW hatte wegen der Manipulationen im September selbst Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Braunschweig erstattet.

Skandal weitet sich aus

Volkswagen hatte vor einigen Wochen eingeräumt, mithilfe einer Software die Abgaswerte von Diesel-Autos in den USA manipuliert zu haben, sodass die Wagen bei Tests die zulässigen Werte nicht überschritten. Mittlerweile ist bekannt, dass auch Dieselfahrzeuge in Europa betroffen sind. VW räumte dies jüngst gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung ein.

Horn: Erst vor Kurzem von Manipulation erfahren

Der US-Chef von Volkswagen, Michael Horn, musste sich am Donnerstag unter Eid vor dem US-Kongress zu der Affäre äußern. Er habe erst vor wenigen Wochen von den Manipulationen durch die Software namens "Defeat Device" in den USA erfahren, so Horn. In einer vor der Anhörung veröffentlichten Stellungnahme hatte Horn erklärt, dass er schon im Frühjahr 2014 über mögliche Verstöße gegen Abgas-Regelungen informiert wurde. Sein Wissen sei jedoch nicht konkret gewesen: "Ich hatte keine Kenntnis davon, dass es einen 'Defeat Device' in unseren Autos gab", beteuerte Horn vor dem Kongress.

Weitere Informationen
VW Werk an einem Kanal bei tiefstehender Sonne
1 Min

VW: Software war auch in Europa aktiviert

VW hat gegenüber NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung eingeräumt, auch die europäischen Behörden getäuscht zu haben. Die Software zur Abgasmanipulation soll auch hier aktiviert gewesen sein. 1 Min

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) spricht während einer Pressekonferenz in Wolfsburg zur Situation in der Autoindustrie und bei VW vor Medienvertretern. © dpa-Bildfunk Foto: Holger Hollemann

VW-Skandal: Kurzarbeit für Leiharbeiter?

Wegen des VW-Skandals prüft die Bundesregierung eine Ausweitung der Kurzarbeiterregelung auch für Leiharbeiter. Denn die würde es laut Wirtschaftsminster Gabriel in Krisen meist als erste treffen. (08.10.2015) mehr

Das VW Logo, zur Hälfte beschmutzt, davor ein Auspuff (Montage) © imago, fotolia Foto: Geisser, Mario Beauregard

VW-Rückrufaktion wird sich hinziehen

VW will die vom Abgas-Skandal betroffenen Autos erst von Januar an in die Werkstätten zurückrufen. Der Aufsichtsrat kommt in Wolfsburg zur Aufarbeitung der Krise zusammen. (08.10.2015) mehr

Der Auspuff eines VW-Passats ist am 25.09.2015 vor dem Volkswagenwerk in Wolfsburg zu sehen. © dpa - Bildfunk

Die VW-Abgas-Affäre: Eine Chronologie

Der Abgas-Skandal hat VW in die schwerste Krise der Firmengeschichte gestürzt. Was ist bislang geschehen? mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.10.2015 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

VW Flaggen © dpa-Bildfunk Foto: Hendrik Schmidt

Corona-Krise Fehlanzeige: VW macht weiter Milliardengewinne

Volkswagen hat das Jahr 2020 erneut mit einem dicken Plus abgeschlossen. Allerdings fiel es geringer aus als zuvor. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen