Stand: 02.01.2020 19:59 Uhr  - Niedersachsen 18.00

Dieselbetrug: VW stimmt Vergleichsgesprächen zu

Im Streit um Schadenersatz für Hunderttausende Dieselfahrer scheint Volkswagen sich auf die Kläger zuzubewegen: Der Autobauer und der Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) haben Vergleichsgespräche aufgenommen. Das teilten VW und der vzbv am Donnerstag in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die rund 444.000 an der Musterfeststellungsklage am Braunschweiger Oberlandesgericht (OLG) beteiligten Dieselfahrer können sich damit Hoffnung machen, Ansprüche gegen VW durchzusetzen und eine Entschädigung für den Wertverlust ihrer Autos zu erhalten.

"Gemeinsames Ziel von vzbv und Volkswagen ist eine pragmatische Lösung im Sinne der Kunden", hieß es. Ob es zu einem Vergleich komme, sei offen, da sich die Gespräche erst in einem sehr frühen Stadium befänden.

Richter hatte zu Verhandlungen aufgefordert

Volkswagen hatte bereits im November angedeutet, dass es Vergleichsverhandlungen mit der Klägerseite geben könnte. Zuvor hatte der Vorsitzende Richter Michael Neef beide Seiten eindringlich zu solchen Verhandlungen aufgefordert. Bis dato hatte Volkswagen einen Vergleich immer als kaum vorstellbar abgelehnt.

Erste Musterfeststellungsklage überhaupt

Die Musterfeststellungsklage des vzbv gegen VW ist die erste ihrer Art in Deutschland überhaupt: Klagen dieser Art sind erst seit November 2018 zugelassen. Am 30. September hatte der Prozess vor dem OLG in Braunschweig begonnen. Das Gericht muss feststellen, ob - und wenn ja, wo - der Konzern gegen Gesetze verstoßen hat und ob VW grundsätzlich Schadenersatz zahlen muss. Die betroffenen Kunden könnten sich dann auf das Urteil berufen, da sie im Anschluss ihre individuellen Schadenersatz-Einsprüche selbst einklagen müssen.

Ein weiteres Verfahren ist das sogenannte Kapitalanleger-Musterverfahren: Die Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka-Investment klagt in einem solchen Musterverfahren gegen Volkswagen und den VW-Hauptaktionär Porsche SE auf Schadenersatz.

Autoexperte: Vergleich würde VW Milliarden kosten

Der Autoexperte Stephan Bratzel, geht davon aus, dass eine gütliche Einigung von Volkswagen mit deutschen Dieselkunden den Konzern Milliarden Euro kosten könnte. VW habe einen strategischen Fehler begangen, sich nicht vorher auf eine Entschädigung zu einigen, sagte Bratzel dem "Kölner-Stadt Anzeiger" (Freitagsausgabe). Die drohenden Zahlungen werden für VW aber wohl nicht existenzbedrohend sein, schätzt der Direktor eines Instituts für Automobilforschung in Bergisch-Gladbach.

Weitere Verfahren gegen VW

Neben dem Musterverfahren am Braunschweiger OLG laufen an Gerichten bundesweit weitere Prozesse. In einzelnen Fällen sprachen Richter den Verbrauchern Schadenersatz zu - oft wurden die Ansprüche jedoch abgelehnt.

Rechtskosten von mehr als 30 Milliarden Euro

Wegen des Dieselbetrugs hat VW weltweit bereits mehr als 30 Milliarden Euro an Rechtskosten verbucht. Zuletzt hatte sich der Konzern Ende Dezember mit dem österreichischen Staat auf eine Entschädigung geeinigt. Über die konkrete Höhe wurde Stillschweigen vereinbart. Kurz vor Weihnachten hatte ein Gericht in Australien Volkswagen im Abgasskandal zu Strafen von 125 Millionen australischen Dollar (rund 77,5 Millionen Euro) verurteilt.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 02.01.2020 | 18:00 Uhr

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