Stand: 01.07.2019 14:54 Uhr

Morddrohung: Ermittlungen gegen Rechtsextremisten

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An der Tür stehen die Worte "Wir töten dich! Janzen", darunter klebt ein Aufkleber von "Adrenalin BS".

Der Sprecher des "Bündnisses gegen Rechts" in Braunschweig, David Janzen, ist erneut mit dem Tod bedroht worden. An der Haustür des 47-Jährigen standen am Sonntag die Worte "Wir töten dich! Janzen", zudem hätten daran zwei Aufkleber der rechtsextremen Gruppe "Adrenalin BS" geklebt, teilte das "Bündnis gegen Rechts" mit. Polizei und Staatsanwaltschaft durchsuchten noch am selben Tag die Wohnung eines 20 Jahre alten Verdächtigen und stellten Beweismaterial sicher. Der Mann sei ein polizeibekannter Rechtsextremer. Geäußert habe er sich bisher nicht.

Drohung: "Heute Walter - morgen Janzen"

Für David Janzen hat die Drohung eine neue Qualität. "Sie stand nicht irgendwo im Internet, sondern an meiner Haustür. Damit wollen sie klar machen: 'Wir wissen, wo du wohnst'", sagte der 47-Jährige zu NDR 1 Niedersachsen. Der verdächtige 20-Jährige hatte laut Staatsanwaltschaft Braunschweig bereits vor einer Woche im sozialen Netzwerk Instagram ein Video veröffentlicht, in dem er mit den Worten "Heute Walter - morgen Janzen" drohte. "Walter" ist offenbar eine Anspielung auf den mutmaßlich von einem Rechtsextremisten getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke.

Staatsanwaltschaft: Bis zu ein Jahr Haft möglich

Die Staatsanwaltschaft hat nach der ersten Botschaft ein Ermittlungsverfahren gegen Lasse R. eingeleitet. Morddrohungen können mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr oder einer Geldstrafe geahndet werden, sagte eine Behördensprecherin. Dass der Verdächtige trotz der Ermittlungen mutmaßlich eine weitere Drohung aussprach, könnte demnach strafverschärfend sein.

Kein Haftbefehl für Verdächtigen, Schutz für Janzen

Nach Durchsuchung und Vernehmung ist Lasse R. auf freiem Fuß, wie die Staatsanwaltschaft am Montag mitteilte. Gründe für einen Haftbefehl lägen derzeit nicht vor. Die Polizei hat unterdessen "Schutzmaßnahmen" für Janzen veranlasst, wie ein Sprecher NDR.de sagte. Zu Details wollte er sich nicht äußern.

Verdächtiger Lasse R. ist vorbestraft

Lasse R. ist als Rechtsextremer bei den Behörden bekannt. Vor zwei Jahren wurde er demnach wegen Körperverletzung zu einer Woche Arrest verurteilt. Zurzeit läuft vor dem Amtsgericht Braunschweig ein Verfahren wegen Körperverletzung. Außerdem erwartet ihn ein Verfahren wegen mutmaßlichen Diebstahls.

"Adrenalin BS" löst sich auf, Anhänger machen weiter

Unterdessen hat die "Kampf- und Sportgemeinschaft Adrenalin Braunschweig", deren Anhänger vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Gewalttäter eingestuft werden, die Auflösung bekannt gegeben. Offenbar nicht, um sich zur Ruhe zu setzen: "Unsere alten Mitglieder werden in anderen Parteien und Organisationen aufgehen", heißt in einem Internet-Post, der von zwei führenden Mitgliedern der Gruppierung am 19. Juni 2019 veröffentlicht worden ist. Man werde "Freunde und Brüder bis zum letzten Blutstropfen bleiben". Der "Kampf um Braunschweig, der Kampf um Deutschland ist noch lange nicht beendet".

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 01.07.2019 | 18:00 Uhr

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