Menschen demonstrieren in Braunschweig. © Hannover Reporter

Initiative sagt Anti-Corona-Demo in Braunschweig ab

Stand: 10.11.2020 17:32 Uhr

Am Montagabend sind doch keine Corona-Skeptiker durch Braunschweig marschiert. Die Initiative "Querdenken 53" hatte die umstrittene Demonstration kurzfristig abgesagt.

Die Gewerkschaft ver.di hatte die geplante Kundgebung als "Naziveranstaltung" bezeichnet. Hintergrund ist, dass die Demonstration unter dem Motto "Geschichte gemeinsam wiederholen" laut Ankündigung am 9. November, dem Gedenktag an die Reichspogromnacht, um 18.18 Uhr beginnen sollte. Die Zahlenkombination aus 1 und 8 stehe als Chiffre der Neonazis für Adolf Hitler, erklärte der Geschäftsführer des ver.di-Bezirks Süd-Ost-Niedersachsen, Sebastian Wertmüller. "Das ist eine der widerlichsten Demonstrationsankündigungen, die ich in dieser Stadt bisher erlebt habe."

Weitere Informationen
Brennende Synagoge in der Bergstraße in Hannover am 10. November 1938. © HAZ-Hauschild-Archiv, Historisches Museum Hannover. Foto: Wilhelm Hauschild

Angeordneter Terror in der Reichspogromnacht

Auf Geheiß der Nationalsozialisten brennen am 9. November 1938 auch im Norden Synagogen und jüdische Geschäfte. (06.11.2020) mehr

Mobilisierungsstrategie der rechten Szene vermutet

Der 9. November stehe unmissverständlich für den Beginn der staatlich organisierten Vernichtung des deutschen und europäischen Judentums und sei zu Recht ein notwendiger Tag der Erinnerung, sagte Wertmüller. Der Termin, das Motto und die Uhrzeiten machten unmissverständlich klar, "wer hier auf die Straße will", sagte Wertmüller, als noch nicht bekannt war, dass die Demo abgesagt wird. Er hatte vermutet, dass es den Initiatoren darum gehe, mit den staatlichen Anti-Corona-Maßnahmen Unzufriedene durch gemeinsame Demos für ein gemeinsames Agieren mit der Nazi-Szene zu gewinnen. Er äußerte Unverständnis darüber, dass die Stadt die Demo überhaupt zugelassen hat.

Stadt weist Kritik zurück

Die Stadt wies die Kritik zurück. In einer Pressemitteilung hieß es, eine Privatperson haben die Demonstration unter dem Motto "Licht für Frieden, Freiheit und Wahrheit" angemeldet. Zudem habe die Stadt für die Veranstaltung Auflagen erlassen. Unter anderem habe sie verboten, dass Reichskriegsflaggen gezeigt werden. Für weitere Beschränkungen oder ein Verbot der Demonstration hätte es jedoch keine rechtlichen Voraussetzungen gegeben.

Aus dem Ruder laufende Demo in Leipzig

Am Sonnabend hatten rund 20.000 Gegner der Corona-Maßnahmen in Leipzig demonstriert. Dabei gab es zahlreiche Verstöße gegen die Corona-Auflagen - unter anderem trugen die meisten Teilnehmer keinen Mund-Nasen-Schutz und liefen viel zu dicht nebeneinander. Wegen dieser Verstöße wurde die Demo vorzeitig aufgelöst. Die Polizei ließ sie aber gewähren, als sie dennoch weiter marschierten. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wies im Anschluss voreilige Kritik an der Polizei zurück.

Weitere Informationen
Menschen demonstrieren in Hannover gegen die Corona-Maßnahmen. © NDR Foto: Screenshot

Corona-Maßnahmen: Gegner demonstrieren in Lüneburg

Die Polizei rechnet heute mit 70 Teilnehmern und ebenso vielen Gegendemonstranten. (24.10.2020) mehr

Gegnern der Corona-Maßnahmen demonstrieren in Hannovers Innenstadt. Im Vordergrund: Polizei. © picture alliance/Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Moritz Frankenberg

1.100 Teilnehmer bei Demo gegen Corona-Regeln

Etwa 1.100 Corona-Skeptiker haben am Sonnabend in Hannover protestiert. Auch Hunderte Gegendemonstranten gingen auf die Straße. Die Polizei war mit einem Großaufgebot vor Ort. (12.09.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 09.11.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus der Region

Bernd Osterloh sitzt für ein Interview vor einer Kamera. © NDR Foto: NDR

75 Jahre Mitbestimmung bei VW: Bernd Osterloh im Gespräch

Der Betriebsratschef von Volkswagen blickt im Gespräch mit dem NDR auf 75 Jahre Arbeitnehmervertretung bei VW zurück. mehr

Blick in den Flur eines Pflegeheims. © Tom Weller

Seniorenheime: Verstößt Corona-Isolation gegen Grundgesetz?

Seniorenvertreter haben Rechtsgutachten in Auftrag gegeben. Es müsse abgewogen werden, ob Isolation schütze oder schade. mehr

Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) und Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) gehen gemeinsam zur Landespressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Schule und Corona: Land verschärft Maßnahmen in Hotspots

In einem Landkreis mit einem Inzidenzwert ab 200 geht es zum Beispiel für Schulen nun in den Wechselunterricht. mehr

David Janzen vom "Bündis gegen Rechts" spricht bei einer Veranstaltung.

Bündnis gegen Rechts: Sprecher Janzen zieht sich zurück

Der Journalist war 20 Jahre für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Er wurde von mehrfach von Extremisten bedroht. mehr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen