Feuer an LAB Braunschweig: Noch keine Hinweise auf Täter

Stand: 11.01.2021 19:18 Uhr

Nach dem Brandanschlag auf die Landesaufnahmebehörde (LAB) in Braunschweig haben die Ermittler von LKA und Generalstaatsanwaltschaft Celle weiterhin noch keine Hinweise auf die Täter.

Man stehe am Anfang der Ermittlungen, sagt Bernd Kolkmeier von der Generalstaatsanwaltschaft Celle am Montag. Konkret werde wegen Brandstiftung und verfassungsfeindlicher Sabotage ermittelt. Bis auf ein veröffentlichtes Bekennerschreiben habe man über die Täter keine weiteren Erkenntnisse gewonnen. Kolkmeier betonte, dass es für Schuldzuweisungen und Bewertungen zu früh sei.

Brockmann: Täter wohl aus linksextremistischer Szene

Landespolizeipräsident Axel Brockmann hatte am Sonntagabend im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen dagegen betont, dass die Behörden sicher seien, dass die Täter der linksextremistischen Szene zuzuordnen seien. "Es gibt einige Hinweise, die in Richtung Terrorismus weisen", sagte Brockmann. Vermutlich müsse es sich um mehrere Täter handeln, das belege das planmäßige Vorgehen. Die Generalbundesanwaltschaft müsse entscheiden, ob in dem Fall wegen Terrorismus ermittelt werde, so Brockmann. Kolkmeier wies am Montag daraufhin, dass dafür juristisch der Nachweis einer organisierten Struktur nötig sei, in der sich mindestens drei Personen dauerhaft zusammengeschlossen haben, um verfassungsfeindliche Taten zu begehen.

Pistorius sieht "starke Radikalisierung der Szene"

Mehrere ausgebrannte Fahrzeuge stehen auf dem Gelände der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen Standort Braunschweig. © dpa-Bildfunk/Moritz Frankenberg Foto: Moritz Frankenberg
Der entstandene Schaden beträgt rund eine halbe Million Euro.

Neben dem Polizeipräsident hatte auch Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) am Wochenende den mutmaßlichen Brandanschlag in Verbindung mit Terrorismus gebracht. "Wir stellen in Niedersachsen eine starke Radikalisierung der Szene fest, die sich zu einer terroristischen Struktur entwickelt", sagte Pistorius. Er sei geschockt und erschüttert über das Ausmaß der Anschläge und die Rücksichtslosigkeit der Täter, so Pistorius.

Experten untersuchen Wracks

Brandsachverständige untersuchten am Montag die Wracks auf dem Gelände der Landesaufnahmebehörde in Braunschweig. Dort waren in der Nacht zu Sonnabend zehn neue Transportfahrzeuge in Flammen aufgegangen. Menschen wurden nicht verletzt. Rund 50 Feuerwehrleute waren im Einsatz, um den Brand zu löschen. Nach Angaben des Innenministeriums beläuft sich der Schaden auf etwa eine halbe Million Euro. Weitere Brandsätze, die am Gebäude der Landesaufnahmebehörde in Langenhagen (Region Hannover) angebracht wurden, zündeten nach Angaben des Innenministeriums nicht.

LKA bittet um Hinweise

Das ebenfalls mit den Ermittlungen betraute Landeskriminalamt hofft auf Hinweise von möglichen Zeugen. Wer verdächtige Personen oder Fahrzeuge auf dem Gelände der Behörde in Braunschweig und Langenhagen gesehen hat, - möglicherweise auch schon Tage vor der Tat - soll sich unter der Telefonnummer (0511) 262 62 42 80 an das LKA Niedersachsen wenden.

Bekennerschreiben im Internet

Auf einer linksextremistischen Internetseite wurde am Sonnabend ein Bekennerschreiben veröffentlicht. "Unsere militanten Aktionen sind ein praktischer Beitrag, um die Abläufe im menschenverachtenden Abschiebesystem wirksam zu behindern", heißt es dort. Die Landesaufnahmebehörde organisiert die Aufnahme und Unterbringung von Asylsuchenden in Niedersachsen und unterstützt die kommunalen Ausländerbehörden bei Rückführungen.

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Der Braunschweiger Dom von oben. © NDR Foto: Julius Matuschik
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NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 11.01.2021 | 15:00 Uhr

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