Ein Schild "Impfung 3" ist an der Tür zu einem Impfraum zu sehen. © dpa Foto: Friso Gentsch

Booster-Impfung: Niedersachsens Hausärzte werden überrannt

Stand: 19.11.2021 16:40 Uhr

Mittlerweile empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) allen Menschen ab 18 Jahren die Auffrischung der Corona-Impfung. Viele Hausärzte in Niedersachsen sind mit dem Ansturm überfordert.

Der Vorstand des Hausärzteverbandes Braunschweig, Carsten Gieseking, sagte dem NDR in Niedersachsen, die Lage sei katastrophal. "Wir gehen langsam kaputt in den Praxen", so Gieseking. Er ist selbst Hausarzt und schafft in seiner Praxis an normalen Tagen etwa 20 Corona-Impfungen. Bei Sonderaktionen - etwa am Wochenende - können es auch mal 150 sein. Doch das reiche nicht, um die Nachfrage zu bewältigen.

Gieseking: Auch nach sechs Monaten noch Impfschutz

Er hat den Eindruck, dass viele Menschen seit der Stiko-Empfehlung nun denken, sie müssten sofort geboostert werden, um überhaupt noch geschützt zu sein - was so nicht stimme. "Bei vollständig Geimpften besteht ja auch nach sechs Monaten durchaus noch ein Impfschutz", so der Mediziner. Er nehme halt nur ab.

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Erst die über 70-Jährigen boostern

Gieseking spricht sich klar dafür aus, die Booster-Impfungen nach Alter zu staffeln und mit den über 70-Jährigen zu beginnen. Viele Hausarztpraxen würden das wohl auch so handhaben. Unter den Impfwilligen gebe es dafür aber leider nur sehr wenig Verständnis. Der Appell des Arztes: Man solle die Ruhe bewahren. Alle, die es wollten, bekämen die Auffrischung - aber eben nach und nach.

Landesregierung: Booster zuerst für Risikopatienten

Die Landesregierung hat sich ebenfalls dafür ausgesprochen, die Booster-Impfung zuerst Senioren und Menschen mit Vorerkrankungen zu verabreichen. "Diejenigen, die sie besonders brauchen, kriegen die Auffrischungsimpfung schneller", sagte eine Sprecherin der Staatskanzlei am Freitag. Es müsse sich aber niemand Sorgen machen, nicht zum Zug zu kommen, da die Impfkapazitäten derzeit im ganzen Land ausgebaut würden. Das Gesundheitsministerium betonte, das Ziel der Priorisierung sei es, schwere Verläufe und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden. Wie die Terminvergabe vor Ort ablaufe, hänge aber vom jeweiligen Impfarzt ab.

Terminvergabe am besten per E-Mail

Der Hausärzteverband Niedersachsen bittet mittlerweile darum, Termine für die Booster-Impfung möglichst nur per E-Mail zu vereinbaren. So würden die Telefonleitungen für akut erkrankte Menschen freigehalten, sagte Sprecher Tim Schäfer. Die Praxen hätten durch die Booster-Impfungen erhöhten Beratungsaufwand, hinzu kämen Atemwegsinfekte und Grippe-Schutzimpfungen.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 19.11.2021 | 15:00 Uhr

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