Neben einem Regal mit zahlreichen Aktenordnern hängt eine Richterrobe. © dpa - Bildfunk Foto: Jens Kalaene

Statistik: 2019 mehr verurteilte Straftäter in Niedersachsen

Stand: 15.10.2020 16:53 Uhr

Am Donnerstag hat Justizministerin Barbara Havliza (CDU) Niedersachsens Strafverfolgungsstatistik für 2019 vorgestellt. Demnach bereiten Sexualdelikte und Angriffe auf Amtsträger Sorge.

Richterinnen und Richter haben im vergangenen Jahr 69.187 Personen in Niedersachsen einer Straftat für schuldig befunden - das sind rund 600 Menschen mehr als 2018. "Nach einem Rückgang bei den Verurteilungen in den vergangenen beiden Jahren verzeichnen wir nun wieder einen leichten Anstieg", sagte Justizministerin Havliza. Im Fokus der Strafverfolgung stehen dem Bericht zufolge Delikte sexueller Gewalt und Angriffe auf Amtsträger sowie Drogenvergehen. "Ursächlich für den Anstieg dürften insbesondere Verschärfungen des Sexualstrafrechts sein, aber auch eine erhöhte Anzeigebereitschaft der betroffenen Frauen", sagte Havliza.

Immer mehr Gewalt gegen Beamte

Neben Sexualdelikten verzeichnet der Bericht eine deutliche Zunahme von Gewalt gegen sogenannte Amtsträger: Polizisten, Rettungskräfte, Bürgermeister, Politiker und Kommunalbeamte. Derartige Delikte werden seit 2017 verschärft verfolgt. Von 2018 auf 2019 verurteilten Richter 548 Personen nach Paragraf 114 des Strafgesetzbuches - damit hat sich die Zahl mehr als verdoppelt.

Havliza sieht grundsätzlich positive Tendenz

Havliza sprach bei der Vorstellung des Berichts in Hannover von einer langfristig positiven Tendenz. Als Vergleich führte sie Zahlen aus dem Jahr 2007 an, als landesweit 89.400 Menschen verurteilt wurden. "Die Kriminalität geht in Niedersachsen in vielen Bereichen zurück", sagte die CDU-Politikerin. Einen Rückgang verzeichnete die Justiz unter anderem bei Körperverletzungsdelikten und Diebstahl. Bei Mord und Totschlag lagen die Zahlen in etwa auf dem Niveau der Vorjahre: Im Jahr 2019 befanden Richter zehn Personen des Mordes und 40 Personen des Totschlags für schuldig.

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Mehr als 80 Prozent der Täter Männer

Zumeist mussten sich Männer vor Gericht verantworten. Sie machen mehr als 80 Prozent der Verurteilten aus. Etwa drei Viertel der Verurteilten bekamen eine Geldstrafe. Rund 3.100 Menschen erhielten eine Haftstrafe ohne Bewährung. Die Strafverfolgungsstatistik unterscheidet sich von der Kriminalstatistik der Polizei dadurch, dass sie abgeschlossene Verfahren an Strafgerichten erfasst. Taten, bei denen Polizei, Zoll und Staatsanwaltschaften keine Verdächtigen ermittelt haben oder bei denen die Staatsanwaltschaft das Verfahren eingestellt hat, sind nicht berücksichtigt. Richter sprachen 2.785 Menschen von den Vorwürfen frei.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.10.2020 | 11:00 Uhr

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