Ein geöffnetes Fenster eines Klassenzimmers im Unterricht einer zweiten Klasse. © picture alliance/dpa Foto: Robert Michael

Fenstersperren für Luftfilter-Geld: Kritik an Stadt Hannover

Stand: 27.08.2021 08:38 Uhr

Die Stadt Hannover will Schulfenster so umrüsten, dass das Lüften in Klassenräumen wieder schwieriger wird - um Fördergeld für Luftfilter zu erhalten. Das Kultusministerium kritisiert die Stadt dafür.

Künstlich die Luftzufuhr in Klassenräumen zu verknappen, um Fördergelder für mobile Luftreiniger zu bekommen, das widerspräche dem Geist der Richtlinie und würde den Schutz der Schülerinnen und Schüler schmälern, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme des Kultusministerium auf Anfrage des NDR in Niedersachsen. Ein Ministeriums-Sprecher stellte infrage, dass die Stadt in diesem Fall überhaupt Fördermittel vom Land bekommt.

Ministerium will schlechteres Lüften nicht fördern

Das Fördergeld gibt es für Räume, in denen Lüften nur eingeschränkt möglich ist. Durch den Einbau von Kippsperren würden die betroffenen Klassenzimmer aber nicht zu solchen Räumen, so der Sprecher. Denn theoretisch könnten die Fenster geöffnet werden. Das Ministerium wolle nicht fördern, dass schlechter gelüftet werden kann.

In 200 Unterrichtsräumen sollen Kippsperren angebracht werden

Die Stadt Hannover hatte wegen der Corona-Pandemie an sämtlichen Schulfenstern Kippsperren abbauen lassen, wodurch sich die Fenster dann komplett öffnen ließen. Um das Geld für zunächst 40 Luftfilter zu bekommen, sollten nach den Plänen der Stadt nun in rund 200 Klassenzimmern die Sperren aber wieder angebracht werden, wie der NDR in Niedersachsen berichtete. Dadurch würde das Lüften erschwert werden.

Schuldezernentin begründet Pläne mit Sicherheitsvorkehrungen

Hannovers Schuldezernentin Rita Maria Rzyski begründete das jetzige Vorhaben mit Sicherheitsvorkehrungen. Es gehe um Fenster, die weit in die Unterrichtsräume hineinragten oder sich im zweiten oder dritten Stock befänden. Auch um die Lehrer beim Aufpassen zu entlasten, sollten die Fenster wieder nur noch leicht geöffnet werden können, so die Dezernentin. Vor rund zwei Wochen hatte die Stadt noch mitgeteilt, dass es in Hannover keine Klassenräume gibt, die für geförderte Luftfilteranlagen infrage kommen. Anschließend gab es vor allem von Eltern Druck auf die Rathausspitze, Luftfilteranlagen zu beschaffen.

Landesschülerrat hat Verständnis für die Maßnahme

Der Landesschülerrat zeigte für das Vorgehen der Stadt Verständnis. Der Vorsitzende Justus Scheper sagt, es müsse alles dafür unternommen werden, damit die Schülerinnen und Schüler in wenigen Wochen nicht wieder mit dicken Jacken im Unterricht sitzen. Dies war vielfach im vergangenen Winter der Fall. Um die Infektionsgefahr zu reduzieren, wurden sämtliche Klassenräume regelmäßig gelüftet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.08.2021 | 08:00 Uhr

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